Technische Analyse

Der Nasdaq 100 befindet sich im Bärenmarkt?!

Der Nasdaq 100 war für die Finanzwelt im Jahr 2020 so etwas wie der Inbegriff eines stark wachsenden Aktienmarktes. Während Aktien von traditionellen Unternehmen nach dem Corona-Crash im März 2020 kaum nach oben kamen, eilte der Nasdaq 100 mit seinen vielen Technologie-Aktien von einem Hoch zum nächsten. Bereits Anfang Juni 2020 erreichte der Index, in dem die großen GAFAM-Aktien hoch gewichtet sind, ein neues Allzeithoch. Es war das Jahr der Digitalisierung und Automatisierung, einfach aus der Not heraus durch Lockdown und Homeoffice dramatisch beschleunigt.

Generell gelten innovative Technologie-Unternehmen als Wachstumslokomotive unserer hiesigen Wirtschaft. Wenn diese Sektoren stottern, hat das auch Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Und nun, nachdem der Nasdaq 100 noch Mitte Februar 2021 ein neues Allzeithoch markieren konnte, befindet er sich aus technischer Sicht in einem Bärenmarkt. Schauen wir uns dazu den Chart an.

Ein Aufwärtstrend ist gekennzeichnet durch fortwährend neue Bewegungshochs, aber noch wichtiger, durch aufeinander folgende höhere Bewegungstiefs. Das letzte Bewegungstief wurde am 01.Februar 2021 mit rund 12.700 Indexpunkten erzielt. Dieser Bereich wurde in den letzten Februartagen erneut getestet. Siehe auch den Artikel: Aktuelle Marktsituation März 2021 – Aktien, Bitcoin und Gold.

Das war bereits ein Warnsignal, da dieses Bewegungstief kein höheres Niveau erreichte – wie bei einem Aufwärtstrend üblich – sondern erneut bis zum vorherigen Bewegungstief zurückging. In der Nacht zum 04.-März fiel der Nasdaq 100 sogar auf 12.500 Indexpunkte. Damit wurden die vorherigen Bewegungstief nun eindeutig unterschritten. Absteigende Hochs und Tiefs sind Merkmal eines Abwärtstrends bzw. eines Bärenmarktes.

Der Chart des Nasdaq 100 von August 2020 bis März 2021. Zuletzt wurde ein niedrigeres Bewegungstief generiert. Bildquelle: tradingview.com

Bedeutet dies einen längeren Abwärtstrend bei Aktien?

Die Frage ist jetzt, was folgt nun weiter?

Trends haben die Eigenschaft sich durchaus lange fortzusetzen, bis sie eben irgendwann einmal beendet werden. Nun kann daraus tatsächlich auch ein Abwärtstrend entstehen. Denn Technologie-Werte sind derzeit – trotz des Rückgangs der letzten Tage – recht hoch bewertet und haben daher durchaus noch weiteres Korrekturpotenzial. Zum anderen deutet die Verzinsung der 10 jährigen US-Staatsanleihen an, dass bald ein gewisser Inflationsdruck zu erwarten ist. Hier geht die Sorge um, dass die Notenbanken dieser Welt ihre gigantische Liquiditätsversorgung anfangen könnten zu drosseln. Während einer anhaltenden Nullzinsperiode werden besonders bei Wachstumsunternehmen auch höhere KGV-Werte als in „normalen“ Zins-Zeiten akzeptiert. Das war besonders im Jahr 2020 geschehen.

Das sind zumindest einige Gründe, die der Markt derzeit einpreist bzw. im Fall der höheren Bewertungen wieder auspreist.

Wir hatten aus technischer Sicht im Nasdaq 100  bereits im September 2020 eine ähnliche Situation als ebenfalls vorherige Tiefs unterschritten wurden. Es folgte eine acht- bis neunwöchige volatile Seitwärtsphase, ehe der Aufwärtstrend wieder aufgenommen wurde. Genau dies könnte uns nun auch bevorstehen. Denn für einen anhaltenden Abwärtstrend bei modernen Geschäftsmodellen der Zukunft – also einem echten Bärenmarkt – fehlt mir irgendwie die Phantasie.

Der Abwärtstrend wäre erst mit Überwindung der beiden Hochs in der aktuellen Abwärtsbewegung bei 13.350 Indexpunkten überwunden. Bei allen Kursen darunter haben die Bären eindeutig das Heft in der Hand.

Den derzeitigen Kursrückgang bei Aktien aus Nasdaq und anderen Technologiefokussierten-Aktien-Indizes sehe ich als Chance sich diese Aktien genauer anzuschauen und ggf. ins Depot zu holen, ohne das ungute Gefühl zu haben, einen total überteuerten Wert gekauft zu haben. (Siehe auch: Aktien kaufen in Korrekturphasen oder im Bärenmarkt). Aber wie gesagt, kann die unruhige Phase noch einige Wochen andauern und muss nicht zwingend in wenigen Tagen zu Ende sein. 

Zum Weiterlesen:

LarsHattwig

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