Warum jetzt in Aktien investieren – Produktivkapital als Absicherung für das KI-Zeitalter

Die Maschinen arbeiten schon – nur noch nicht für dich?

Es ist ein merkwürdiges Gefühl, das sich gerade in vielen Unternehmen breitmacht: Die Zahlen werden besser, während die Teams kleiner werden. Salesforce hat im Herbst 2025 rund 4.000 Stellen im Kundensupport gestrichen – Begründung: KI-Agenten übernehmen inzwischen die Hälfte aller Tickets. IBM hat 8.000 Stellen im HR-Bereich abgebaut. Allein in den ersten Monaten 2026 haben in der US-Tech-Branche mehr als 90.000 Menschen ihren Job verloren, in der Bankenbranche waren es im ersten Quartal 2026 15.000. Das sind keine Prognosen mehr. Das ist bereits passiert.

Und trotzdem: Wer heute mit Freunden oder Kollegen über das Investieren in Aktien spricht, stößt oft auf dasselbe Kopfschütteln wie vor zehn oder fünfzehn Jahren. Zu riskant, zu kompliziert, nicht für Leute wie mich. Genau diese Haltung wird in den kommenden Jahren teurer als je zuvor.

Warum „irgendwann“ nicht mehr reicht

Die deutsche Wirtschaft wächst zuletzt nicht mehr. Die DIHK hat ihre Wachstumsprognose nach den ohnehin schwachen Vorjahren auf 0,3 Prozent gesenkt, die EU-Kommission ihre auf 0,6 Prozent halbiert. Gleichzeitig boomt die Börse. Diese Schere zwischen der Realwirtschaft, in der die meisten Menschen ihr Gehalt verdienen, und dem Kapitalmarkt, an dem sich Vermögen bildet, wird von Jahr zu Jahr sichtbarer. Wer 2026 ausschließlich auf sein Gehalt gesetzt hat, gehörte nicht automatisch zu den Gewinnern des Jahres – trotz guter Arbeit, trotz Fleiß.

Das ist keine neue Beobachtung. Der Ökonom Louis Kelso hat schon in den 1950er-Jahren beschrieben, was passiert, wenn Kapital produktiver wird als Arbeit: Entweder die Erträge werden politisch umverteilt, oder mehr Menschen werden selbst zu Kapitaleigentümern. Beide Wege sind denkbar, aber nur einer davon liegt vollständig in deiner eigenen Hand.

Was der Arbeitsmarkt gerade wirklich zeigt

Die Zahlen zur Automatisierung sind widersprüchlicher, als es die Schlagzeilen vermuten lassen, und genau das macht das Thema kompliziert, statt es zu vereinfachen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht in Deutschland rund drei Millionen Stellen als stark automatisierungsgefährdet an. Die Internationale Arbeitsorganisation kommt gleichzeitig zu einem vorsichtigeren Bild: Nur 5,5 Prozent der deutschen Jobs seien vollständig automatisierbar, bei weiteren 13,4 Prozent verändere KI die Arbeit, ohne sie überflüssig zu machen. Das Weltwirtschaftsforum prognostiziert für die Welt bis 2030 sogar einen Nettozuwachs von 78 Millionen Arbeitsplätzen, 170 Millionen neue stehen 92 Millionen wegfallenden gegenüber. Mit dieser optimistischen Prognose steht das WEF ziemlich alleine, zumal es auch verschweigt, dass die mehr geschaffenen Stellen völlig neue Tätigkeiten im Bereich KI und Automatisierung sein werden. Ein heute 45- oder 55-jähriger wird diese „neuen“ Stellen nicht machen können oder wollen.

Was bedeutet das für dich persönlich? Vor allem eines: Niemand kann seriös vorhersagen, ob dein konkreter Job in fünf Jahren noch in seiner heutigen Form existiert. Real spürbar ist aber schon jetzt, dass sich die Verteilung innerhalb der Unternehmen verschiebt, vor allem im mittleren Management und bei Einstiegspositionen. Eine BCG-Erhebung zeigt: 45 Prozent der Unternehmen rechnen binnen drei Jahren mit Kürzungen im mittleren Management, 29 Prozent mit weniger Einstiegsstellen.

Die Trends zeigen die Automatisierung recht deutlich

KI-Agenten übernehmen immer mehr Routineaufgaben und junge Programmierer finden immer schlechter neue Arbeitsstellen. Auch die humanoide Robotik findet seit Ende 2025 erste Wege in Arbeitsabläufe, wobei wir hier noch am Anfang stehen. Für die Zeit bis 2030 und erst Recht zeichnet sich ab, das größere Teil von heutigen Arbeitsabläufen immer weniger von Menschen ausgeführt werden. Die Entwicklungen weltweit bei KI, Robotik und Automatisierung habe ich ausführlich im Buch Navigations-Hilfe durch die KI-Revolution skizziert.


Navigations-Hilfe durch die KI-Revolution von Lars Hattwig

Navigations-Hilfe durch die KI-Revolution

Navigationshilfe durch die KI-Revolution

Die Disruption durch KI, Robotik & Co wird kommen, sie findet derzeit sogar gerade schon statt.
Ein ehrlicher Wegweiser für Menschen, die spüren, dass sich gerade alles verändert – und die nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, ist das eBook: Navigations-Hilfe durch die KI-Revolution.

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Wenn Unternehmen immer mehr wachsen und profitabel werden, gleichzeitig aber zunehmend weniger Menschen mit ihrer Arbeitskraft Geld verdienen, taucht zwangsläufig die Frage auf, warum nicht noch stärker am Produktivkapital beteiligen?

Die stillen Profiteure: nicht nur Nvidia

Der Denkfehler, den viele beim Stichwort „an der KI-Revolution beteiligen“ machen: Sie schauen fast ausschließlich auf Chip- und Softwarekonzerne. Dabei verschiebt sich der eigentliche Engpass zunehmend in die physische Infrastruktur dahinter. Rechenzentren brauchen vor allem eines: Strom, und zwar in gewaltigen Mengen. Die Internationale Energieagentur rechnet damit, dass sich der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren zwischen 2022 und 2030 auf rund 945 Terawattstunden nahezu verdoppelt.

Das treibt eine ganze Kette an Rohstoffen an, die mit „KI“ auf den ersten Blick wenig zu tun haben. Kupfer etwa: Jede neue KI-Serverfarm verschlingt tausende Tonnen davon für Verkabelung, Stromverteilung und Netzanbindung. Nach Einschätzung der IEA könnten bestehende und geplante Minenprojekte bis 2035 nur rund 70 Prozent der erwarteten Kupfernachfrage decken – neue Minen brauchen zehn bis fünfzehn Jahre Entwicklungszeit, während der KI-Ausbau bereits heute läuft. UBS kalkuliert für 2026 bereits ein globales Kupferdefizit von über 400.000 Tonnen. Ähnlich beim Uran: Rechenzentren brauchen grundlastfähigen Strom, den erneuerbare Energien allein nicht zuverlässig liefern, weshalb Amazon bereits 2024 ein atombetriebenes Rechenzentrum erworben hat. Auch Silber (Solarpaneele, Elektronik), Aluminium (Serverracks, Kühlkörper) und Seltene Erden (Magnete in Kühlsystemen) profitieren von derselben Entwicklung. So beträgt der Anteil an Bergbau, Rohstoffen und Energie im Wikifolio ARMANE-Strategien mittlerweile rund 20%.

Für dein eigenes Portfolio heißt das: „Produktivkapital der KI-Ära“ ist kein Synonym für „KI-Aktien“ oder Themen-ETFs auf Sprachmodelle. Es ist ein deutlich breiteres Feld – Energieversorger, Netzbetreiber, Minenkonzerne, Rohstoff- und Infrastrukturwerte gehören genauso dazu wie Nvidia, Alphabet, (möglicherweise auch schon SpaceX) oder Microsoft. Wer sein Depot ausschließlich auf Tech-Konzerne ausrichtet, wettet auf eine einzige Stufe der Wertschöpfungskette und übersieht oft die Stufen davor, auf denen das Angebot am knappsten und die Konkurrenz am kleinsten ist.

Kompakte Zusammenfassung, warum das Investieren im Produktivkapital jetzt dringender wird

  1. Konzentration der Wertschöpfung bei KI-getriebenen Unternehmen
    Fast die Hälfte der Marktkapitalisierung des S&P 500 hängt inzwischen direkt oder indirekt am KI-Boom. Wer keine Anteile an Produktivkapital hält, partizipiert an dieser enormen Wertschöpfung schlicht nicht. Die Erträge fließen primär an die Eigentümer der Plattformen, Rechenzentren und Algorithmen. Gleichzeitig konzentriert sich die Wertschöpfung bei immer weniger Unternehmen. Ein frühzeitiger Einstieg über breit gestreute ETFs ermöglicht noch eine relative Streuung, bevor die Einstiegshürden durch noch stärkere Konzentration weiter steigen.
  2. Politische Umverteilung bleibt reine Debatte
    Trotz öffentlicher Diskussionen um bedingungsloses Grundeinkommen und mögliche KI-Dividenden (unter anderem durch Digitalminister Wildberger, Sam Altman, Dario Amodei und Bernie Sanders) existiert bislang kein verbindlicher, gesetzlich verankerter Umverteilungsmechanismus. Individuelle Vorsorge über Produktivkapital bleibt daher der einzige Hebel, der vollständig in der eigenen Hand liegt und nicht von politischen Mehrheiten oder Haushaltslagen abhängt.
  3. Jobverluste sind bereits laufende Realität
    Die Verdrängung von Arbeitsplätzen durch KI und Robotik ist keine Zukunftsprognose mehr. Salesforce hat Tausende Support-Stellen gestrichen, IBM hat im HR-Bereich massiv abgebaut, die US-Bankenbranche und die deutsche Industrie verzeichneten 2025 allein über 124.000 verlorene Stellen. Der Umbau trifft besonders stark die mittlere Management-Ebene (45 % der Unternehmen planen Kürzungen) und Berufseinsteiger (29 % rechnen mit weniger Einstiegsstellen laut BCG). Genau diese Gruppen verfügen über das geringste eigene Kapitalpolster und sind daher besonders verwundbar.
  4. Historisch niedrigste Einstiegshürden
    ETF-Sparpläne sind bei neun von 21 großen Brokern bereits ab einem Euro möglich (Standard sind 25 oder 50 Euro pro Monat). Anders als zu den Zeiten von Louis Kelso in den 1950er-Jahren braucht es kein nennenswertes Vermögen mehr, um Kapitaleigentümer zu werden. Die technische und finanzielle Hürde ist so niedrig wie nie zuvor, übrig bleibt vor allem die psychologische.
  5. Beschleunigte Zinseszinseffekte durch technologische Skalierung
    KI und Robotik steigern die Produktivität bestehender Unternehmen exponentiell. Wer Anteile hält, partizipiert direkt an diesen Gewinnen, während reine Lohnarbeit schrumpft. Der Anteil von Kapitaleinkommen am Gesamteinkommen steigt systematisch, weil Maschinen und Algorithmen Arbeit ersetzen. Ohne eigenen Kapitalanteil bleibt man langfristig auf staatliche Grundversorgung angewiesen. Gleichzeitig beschleunigen sich Zinseszinseffekte und Kurssteigerungen durch technologische Skaleneffekte, je früher man investiert, desto stärker multipliziert sich das Kapital im Vergleich zu früheren Jahrzehnten mit eher linearem Wachstum.
  6. Staatliche Transfers als unsicherer Boden
    Staatliche Transfers decken lediglich Basisbedürfnisse ab und sind politisch volatil. Produktivkapital schafft dagegen eine unabhängige Einkommensquelle oberhalb der Grundsicherung und bietet eine Absicherung gegen mehrere mögliche Zukunftsszenarien gleichzeitig, egal ob die KI-Dividende kommt oder der politische Stillstand anhält.

Was daraus folgt

Die Arbeitswelt verändert sich schneller, als soziale Sicherungssysteme mithalten können. das zeigt allein die Tatsache, dass Deutschlands Digitalminister im März 2026 öffentlich über ein bedingungsloses Grundeinkommen als Antwort auf KI-bedingte Jobverluste nachdachte, während die Arbeitsministerin einer klaren Aussage auswich. 

Genau in dieser Unsicherheit liegt das eigentliche Argument fürs Investieren: nicht als Wette auf eine bestimmte Zukunft, sondern als Absicherung gegen mehrere mögliche Zukünfte gleichzeitig. Ob die KI-Dividende kommt, über die selbst Sam Altman und Dario Amodei öffentlich als eine Art gesellschaftlichen Vermögensfonds nachdenken, oder ob es beim politischen Stillstand bleibt – wer nebenbei ein eigenes Kapitalpolster aufbaut, ist in beiden Szenarien besser aufgestellt als jemand, der ausschließlich vom Lohn abhängt.

Konkret heißt das: ein breiter Welt-ETF als Basis, eine bewusste Beimischung, die über reine KI-Aktien hinausgeht – etwa Energie, Infrastruktur oder Rohstoffe wie Kupfer, Uran oder Silber, ein Betrag, der auch in einer Kurskorrektur durchgehalten wird, und der Mut, mit 25 oder 50 Euro im Monat überhaupt anzufangen. 

Die Maschinen arbeiten bereits, ob wir wollen oder nicht. Die einzige offene Frage ist: Arbeiten sie nur für die, denen sie gehören oder auch schon für dich?

Wie hältst du es selbst: Hast du schon angefangen, dich am Produktivkapital zu beteiligen – oder wartest du noch auf den „richtigen“ Moment? Schreib’s in die Kommentare.


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-> Orientierung in der Krise: https://lars-hattwig.de/innerer-anker/


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