Ab wann bin ich finanziell unabhängig?

Auf die Frage: „Ab wann bin ich finanziell unabhängig?“, gibt es sehr verschiedene Antworten und Meinungen. In diesem Artikel möchte ich einige unterschiedliche Sichtweisen über finanzielle Unabhängigkeit zusammenstellen und zum Schluss die Sichtweise herausstellen, die meiner Meinung nach am zutreffendsten ist. Bevor wir die Varianten durchgehen, vorweg der Hinweis, dass finanzielle Unabhängigkeit nicht automatisch bedeutet reich zu sein. Einen Großteil der Unabhängigkeit haben wir sogar selbst in der Hand, aber dazu komme ich später am Ende dieses Artikels.

Gehen wir nun die Ansichten und Meinungen durch.




Variante 1: Ein hoher Verdienst

Aus finanzieller Sicht unabhängig zu sein, beginnt für viele Leute schon, wenn sie einen hohen Verdienst aufgrund ihrer aktiven Arbeitstätigkeit haben. Ich kann mich noch gut an den Übergang von der Uni-Zeit ins Berufsleben erinnern. Nicht nur mir ging es so, dass ein ganz durchschnittliches Gehalt einem so vorkam, wie ein wahrer Geldsegen. Warum war das so?

Die Ansprüche waren während des Studiums nicht allzu hoch, da man im Standardfall als Student von nur einigen hundert Euro monatlich leben musste. Ein regelmäßiges Netto-Gehalt von 2.000 bis 3.000 Euro sorgte dann schnell dafür, dass sich auf dem Konto größere Beträge ansammelten.

Nun gibt es Menschen, die regelmäßig über 5.000 oder sogar mehr als 10.000 Euro netto monatlich verdienen. Wer in solch einem Fall seine monatlichen Ausgaben in Grenzen hält, seine Tätigkeit gerne ausübt und diese zusätzlich noch als sinnvoll empfindet, wird tatsächlich ein Gefühl der finanziellen Freiheit spüren. Allerdings besteht hier immer noch die Abhängigkeit von dieser einen Einnahmequelle durch aktive Arbeit. Es wird also Zeit gegen (viel) Geld getauscht.

Wer in solch einer Situation nicht im Luxus schwelgt und seine Kosten begrenzt, hat richtig gute Voraussetzungen in dieser Zeit nachhaltig sein Vermögen für die finanzielle Unabhängigkeit aufzubauen. Damit kommen wir auch schon zu Variante 2.

Ab wann bin ich finanziell unabhängig als Video sehen.

Variante 2: Regelmäßige Entnahme aus einem vorhandenen Vermögen

Die nächste Variante ist ein möglichst hohes Vermögen anzuhäufen, um ausschließlich aus dem Verzehr des Vermögens bis ins hohe Alter davon leben zu können. Diese Variante wäre eine mögliche Fortsetzung der Variante 1, falls sich der Gutverdiener irgendwann aus dem aktiven Arbeitsleben zurückziehen möchte. Dass mit dem systematischen Sparen im Laufe der Zeit enorme Geldbeträge anwachsen können, hatte ich in mehreren früheren Artikeln dieses Blogs schon vorgerechnet, zum Beispiel „Wie der Zinseszins beim Vermögensaufbau hilft„.

Die Entnahme von vorhandenem Vermögen ist einerseits steuerfrei, andererseits ist sie jedoch auch eine Wette auf die eigene Lebenszeit. Nehmen wir einmal folgenden Fall an. Jemand möchte in einem Alter von 50 Jahren bis zu seinem Lebensende monatlich 2.500 Euro aus seinem Vermögen entnehmen. Treffen wir weiter die Annahme, dass das Geld quasi unverzinst rasch verfügbar ist und unsere fiktive Person davon ausgeht, dass sie 90 Jahre alt wird. Dann ist für dieses Vorhaben bereits ein Vermögen von 1,2 Millionen Euro notwendig (30.000 Euro pro Jahr X 40 Jahre). Hier ist allerdings die Inflation noch nicht berücksichtigt, so dass das zur Verfügung stehende Kapital noch einiges höher sein müsste oder mit eine höheren Verzinsung angelegt werden muss.

Unter sonst denselben Bedingungen wird nun das Kapital mit 3,5% p.a. verzinst und die Inflationsrate beträgt durchschnittlich 2% p.a. Nach dieser Rechnung mit einer realen Verzinsung von 1,5% und unter Berücksichtigung der heute gültigen Besteuerung für Kapitalerträge wären knapp 903.000 Euro als Vermögen notwendig.

Möglicherweise werden jetzt einige Leser darauf hinweisen, dass es am Aktienmarkt historisch betrachtet durchschnittlich 8% Rendite p.a. gab. Sollte sich jemand entschließen sein komplettes Vermögen in Aktien zu investieren, bliebe nach Abzug der heute gültigen Besteuerung und einer Inflationsrate von durchschnittlich 2% p.a. eine reale Netto-Verzinsung von 4%.  Nach dieser Rechnung reicht bereits ein Kapitalstock von rund 600.000 Euro als Vermögen.

Hier gilt nicht nur die eigene Lebenszeit als Unbekannte, sondern auch der Gesundheitszustand. Wer aufwendige Operationen über sich ergehen lassen muss oder zum Pflegefall wird, wird zukünftig immer stärker zur Kasse geben werden, selbst wenn uns die Politik heute noch etwas anderes erzählen will.
Allerdings wird jeder spätestens ab 70 Jahren auch eine staatliche Rentenzahlung erhalten, selbst wenn diese nicht allzu üppig sein wird, das entweder noch obendrauf kommt, oder dafür sorgt, dass das Ausgangskapital noch einmal etwas niedriger sein braucht.

Sämtliche Berechnungen habe ich mit diesem Rechner für einen Entnahmeplan durchgeführt. 

Ab wann bin ich finanziell unabhängig?

Wer für einen Zeitraum von über 40 Jahre monatlich 2.500 Euro erhalten möchte, ohne einer aktiven Tätigkeit nachzugehen, benötigt mindestens 600.000 bis 900.000 Euro an Kapitalvermögen.

Variante 3: Regelmäßige Erträge aus Kapitalvermögen

Eine hier auf diesem Blog häufig besprochene Variante ist das Erschaffen von passiven Einkünften aus Kapitalerträgen. Zinsen von Anleihen, Dividendenzahlungen von Aktien und Mietzahlungen aus Immobilienbesitz oder Gewinnausschüttungen aus einer direkten Firmenbeteiligung sind die bekanntesten Beispiele. Nehmen wir wieder den Fall, dass jemand 2.500 Euro monatlich verfügbar haben möchte. Eine Netto-Verzinsung von 3,5% bei einem diversifizierten Portfolio ist zwar ein ambitionierter, aber durchaus realistischer Wert. Unterstellen wir erneut eine Inflationsrate von 2,0% p.a., also 1,5% Realverzinsung. In diesem Fall ohne Kapitalverzehr ist ein Vermögen von 2,0 Millionen Euro notwendig, um ohne Kapitalverzehr einen monatlichen Ertrag von 2.500 Euro zu erhalten. Mit Kapitalverzehr reichen bereits die oben genannten 903.000 Euro als Startvermögen aus.

Nun gibt es noch Aktien, die in der Lage sind ihre Dividendenzahlungen jährlich zu steigern. Das müssen nicht unbedingt lupenreine Dividenden-Aristokraten sein, sondern auch Unternehmen mit einer kürzeren Dividendenhistorie als 25 Jahre. Typischerweise liegt das Dividendenwachstum hier bei üppigen 5 bis 10%. Gehen wir einmal konservativ davon aus, dass die jährlichen Erhöhungen durch das Dividendenwachstum die Inflationsrate egalisieren und rechnen mit mit einer Verzinsung von 3,5% p.a. In diesem Fall würde bereits ein Kapitalvermögen von 860.000 Euro reichen.

Im Artikel: „Regelmäßige Dividendenzahlung oder Auszahlungsplan ohne Kapitalverzehr?hatte ich weitere Fälle für Entnahmepläne berechnet.

Variante 4: Regelmäßige Erträge aus anderen Vermögenswerten

Während sich die Mitbürger fortgeschritteneren Alters eher auf ein passives Einkommen aus Kapitalerträgen fokussieren, richten die meisten jüngeren Menschen mangels Kapital eher den Blick auf passive Einkünfte aus Vermögenswerten ohne den Einsatz von größerem Kapital.

Was sind „andere Vermögenswerte“?

„Alles was nach erledigter Arbeit einen wiederkehrenden Ertrag bringt.“

Die voranschreitende Digitalisierung eröffnet hier vom „kleinen“ Mann bis hin zum IT-Experten oder prominenten Bürger ganz neue Möglichkeiten durchaus üppige Einkünfte zu erzielen, von denen einige sogar passiver Natur sind. Die Spannweite reicht vom einfachen eBook über andere digitale Produkte und zahlreiche Follower in den sozialen Medien bis hin zur Gründung einer Firma. Natürlich ist für letzteres schon einiges an Wissen und andere Skills notwendig. Hier ist die Investitionsgrundlage kein hohes Kapital, sondern vor allem Zeit und Know-how. Wie in früheren Artikeln gesagt, erhöht man mit Weiterbildung und Wissen seinen eigenen Wert für den Markt.
Die mögliche Spannweite an monatlichen Erträgen reicht von wenigen hundert Euro bis in den hohen vierstelligen Eurobereich monatlich. Einige erzielen auf diese Weise auch regelmäßig fünfstellige Eurobeträge monatlich.

Da tiefergehende Details dazu thematisch nicht unbedingt hier auf dem Blog passen, verweise ich an dieser Stelle auf die Passiver Geldfluss Academy. Dort erfahren Sie ausführlich, wie man regelmäßige Einkünfte ohne größeres Kapital aufbauen kann.

Allgemeine Betrachtung

Meine persönliche Betrachtung, ab wann jemand finanziell unabhängig ist, habe ich im ArtikelKennzahl zur finanziellen Freiheitmit dem FFI-Index erläutert. Hier gehen jedoch wirklich nur die passiven Einkünfte zur Berechnung mit ein und stehen den monatlichen Ausgaben gegenüber.

Und hier kommt der eingangs angesprochene eigene Einfluss, ab wann ich eigentlich finanziell unabhängig bin – nämlich seine eigenen Ansprüche. Wenn mir jemand sagt, er habe zu wenig Geld und ich schau hinter die Kulissen, dann wird mir in vielen Fällen klar, wo der Schuh drückt. Die kostspieligen Ansprüche sind zu hoch. Luxus, an den sich viele schnell gewöhnen und nicht mehr bereit sind aufzugeben. Da wird dann lieber gejammert oder nach dem Staat gerufen, als sich selbst mal in den Hintern zu treten, unnötige Kosten zu reduzieren und beispielsweise seinen eigenen Marktwert zu steigern.

Ich denke, dass diese Definition des FFI-Index für die Ermittlung der finanziellen Unabhängigkeit bzw. finanziellen Freiheit noch die objektivste und für sich selbst auch ehrlichste Variante ist. 

Ab wann bin ich finanzielle unabhängig? - Geldwachstum

Nacheinander mehrere Einkunftsquellen aufzubauen, sorgt für eine sichere finanzielle Unabhängigkeit und Zukunft.

Fazit

Es gibt unterschiedliche Sichtweisen, ab wann jemand finanziell unabhängig ist. Dieses Ziel rein aus gespartem Kapital zu erreichen, benötigt schon ein Vermögen von knapp einer Million Euro, wenn man die Berechnung ehrlich, mit Steuern und realistischer Inflation durchführt und dabei gleichzeitig auch nicht zu viel Risiko eingeht.

Gute Möglichkeiten zusätzliche – zumindest teilweise – passive Einkünfte aufzubauen, bieten die heutigen technischen Möglichkeiten der Digitalisierung. Hier ist nicht viel Kapital, dafür jedoch Zeitaufwand und Wissen notwendig, welches sich aber jeder aneignen kann, der ein Notebook und ein Smart Phone bedienen kann.

In beiden Fällen dient der FFI-Index als Bestandsaufnahme, wie weit jemand noch von der finanziellen Unabhängigkeit entfernt ist. Meine Erfahrung ist, dass die meisten Menschen nach Erreichen der finanziellen Freiheit passives Einkommen mit aktiven Einkünften kombinieren. Das hat einen einfachen Grund: Sie haben einen tieferen Sinn in ihrer Tätigkeit gefunden und arbeiten nicht auf einen bestimmten Tag X, um dann quasi in den Ruhestand gehen zu wollen. Das Erreichen der finanziellen Unabhängigkeit geschieht daher fast unbemerkt nebenbei, weil sie in ihrer Tätigkeit derart viel Sinn und Nutzen sehen, dass sie längst nicht daran denken in die Untätigkeit überzugehen.

  • Sie wollen grundsätzlich mehr aus Ihrem Geld machen?
  • Die Zeiten einer knappen Kasse soll bei Ihnen der Vergangenheit angehören?
  • Ihr Geld soll endlich einmal hart für Sie arbeiten? 
  • Sie möchten langfristig Vermögen aufbauen?
  • Sie möchten mehr zu passiven Einkünften erfahren?
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1 Antwort

  1. Ich fand den Artikel sehr interessant. Aber leider verdient nicht jeder nach der Uni gleich 2000 Netto. Wenn man glück hat verdient man 1800 Netto.

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