Wie lange dauert der Bärenmarkt bei Aktien noch an?

Der seit dem Ende des Jahres 2021 begonnene Kursrückgang bei Aktien hat sich in den letzten Monaten zu einem richtigen Bärenmarkt entwickelt. Dafür sprechen nicht nur die Größenordnung der Kursrückgänge, sondern auch die Andauer und die Art und Weise der Abverkäufe. So haben einige durchaus prominente Aktien mehr als 50% an Kurswert im Vergleich zum Spätherbst 2021 einbüßen müssen, einige Technologie-Aktien sogar 70 bis 80%. Angesichts von derart heftigen Kursrückgängen innerhalb von wenigen Monaten stellt sich die Frage, wann ein Boden der Kursrückgänge erreicht ist bzw. wie lange der Bärenmarkt noch andauern könnte?

Die Probleme der letzten Wochen und Monate sind noch alle vorhanden. Natürlich der Ukraine-Krieg mit seinen Auswirkungen auf die Wirtschaft, die hohe Inflation, die Notenbanken dazu zwingt, die Zinsen zu erhöhen (allen voran die US-Notenbank Federal Reserve), China mit einer Zero-Covid Herangehensweise und zuletzt kam noch eine sich abzeichnende Abschwächung der Wirtschaft in den USA dazu.

Historisch betrachtet dauerten Bärenmärkte zwischen einem halben bis maximal drei Jahre. Drei Jahre traten von 1929 bis 1932 (Weltwirtschaftskrise, Große Depression) und 2000 bis 2003 (Platzen der Dotcom-Blase) auf. Beide großen Bärenmärkte haben gemeinsam, dass es zuvor jeweils eine unglaublich starke Übertreibungsphase gab. Die hatten wir im Jahre 2020 und 2021 angefacht durch die Lockdown-Maßnahmen ebenfalls im Technologie-Sektor. Aus dieser Sicht muss der aktuelle Bärenmarkt noch nicht beendet sein. Auf der anderen Seite verlaufen Zyklen und gewisse Phasen in der heutigen Welt rascher als früher ab, daher halte ich einen Bärenmarkt für drei Jahre für ziemlich unwahrscheinlich.

Stimmung derzeit sehr schlecht

Typischerweise ist die Stimmung unter den Marktteilnehmern in der Nähe des Tiefpunktes bei den Aktienindizes am schlechtesten. Der Angst- und Gier-Indikator von CNN signalisiert derzeit (Anfang Juli 2022) auch extreme Angst. Was viele Geldanleger nicht beachten: Sie warten darauf, dass in den Medien wieder positive Nachrichten über Wirtschaft und Politik verkündet werden. Der Aktienmarkt nimmt Ereignisse jedoch einige Monate zuvor vorweg. Sobald es wieder positive Medienberichte gibt, befindet sich der Aktienmarkt schon längst wieder in einer Rally. Das bedeutet auch als Anleger und Investor den großen Aktienindizes (oder einzelnen Branchen) mehr Gewicht zu geben als in Medien nach endlich wieder guten Nachrichten zu suchen. Schauen wir dazu auf den S&P 500, dem marktbreiten US-Aktienindex.

Aktueller Stand im Leitindex S&P 500

Im Wochenchart (jede Kerze ist die Einheit von einer Woche) ist schön der gesamte Aufwärtstrend seit dem Coronacrash Anfang 2020 zu sehen. Seit dem Jahreswechsel bewegt sich der S&P 500 in mehreren Wellen abwärts und hat nun auch das 38,2%-Korrekturlevel (vom gesamten Aufwärtstrend) nach unten hin durchbrochen.

Jetzt gibt es zwei mögliche Kursziele für den S&P 500. Zum einen der gleitende Durchschnitt EMA (Exponential Moving Average) 200 bei 3.640 Indexpunkten, der im Juni bereits erreicht worden ist. Sofern das 38,2%-Korrekturlevel durchbrochen ist, wird gerne auch noch das 50%-Korrekturlevel angesteuert, welches bei 3.500 Indexpunkten liegt. Das würde dann in den kommenden Wochen der Fall sein. An einem dieser beiden Marken dürfte der S&P 500 sein Tief erreichen (oder im Juni bereits erreicht haben) und anschließend eine größere Gegenbewegung zeigen.

Wie lange dauert der Bärenmarkt bei Aktien noch an? - S&P 500 Juli 2022

Der Wochenchart des S&P 500 seit dem Jahreswechsel 2019/2020 – Bildquelle: TradingView.com

Dennoch möchte ich der Vollständigkeit wegen auch das Negativ-Szenario nicht unter den Tisch fallen lassen, dass noch das 61,8%-Korrekturlevel bei 3.200 Indexpunkten angesteuert werden könnte. Allerdings müsste sich die gesamtwirtschaftliche und politische Lage im Vergleich zu jetzt noch einmal deutlich verschlechtern. Es ist zwar möglich, aber aus meiner Sicht recht unwahrscheinlich.

Einige werden sich jetzt fragen, warum der Aktienmarkt, aber auch der Immobilienmarkt in einem Inflations-Umfeld nicht besser abschneiden? Gerade deutsche Immobilien-Aktien sind zuletzt besonders stark abverkauft worden und das Betongold gilt neben Aktien als guter Schutz gegen Inflation. Einige der Gründe für das aktuell schwache Abschneiden des Kapitalmarktes auf breiter Front über mehrere Anlageklassen hinweg hast du weiter oben bereits erfahren. Aber der hauptsächliche Grund ist meiner Einschätzung nach der Liquiditätsentzug der Notenbanken. Natürlich sind die bisherigen Maßnahmen im Vergleich zur aktuellen Inflation noch Peanuts, allerdings ist der Kapitalmarkt über 10 Jahre eine quasi Nullzinspolitik gewohnt gewesen. Über solch einen langen Zeitraum gewöhnt sich der Markt einfach an das dauerhaft niedrige Zinsumfeld und reagiert umso empfindlicher, wenn es mehrere Zinsschritte seitens der Notenbanken gibt.

Viel beachtet: Verzinsung 10-jährige US-Staatsanleihen

Eine Größe, auf die der Kapitalmarkt sehr genau schaut ist die Verzinsung der 10-jährigen US-Staatsanleihen. Dieser Wert wird frei am Markt gehandelt und zeigt das mutmaßliche Inflationsniveau in den USA der kommenden Jahre an. Je stärker der Anstieg, desto mehr leiden die Kurse am Aktienmarkt. Im Drei-Tage-Chart ist der Anstieg seit dem Jahreswechsel (dem Beginn des Bärenmarktes bei Aktien) gut zu erkennen. In der Spitze wurden Anfang Juni fast 3,5% erreicht. Aus technischer Sicht hat der Oszillator RSI (Relative Stärke Index) das letzte Bewegungshoch nicht mehr mitgemacht. Solch ein Ereignis nennt man eine bärische Divergenz und gilt als Vorlauf-Indikator für bald fallende Kursbewegung des Basiswertes, in dem Fall die 10-jährigen US-Staatsanleihen. Sollte hier tatsächlich ein deutlicher Kursrückgang auf dauerhaft unter 3% erfolgen, dürfte das dem Aktienmarkt wieder Auftrieb geben.

Wie lange dauert der Bärenmarkt bei Aktien noch an? - 10-jaehrige US-Staatsanleihen

Die Entwicklung der Verzinsung von 10-jährigen US-Staatsanleihen – Bildquelle: TradingView.com

Fazit über das Ende des Bärenmarktes bei Aktien

Ein Großteil des Bärenmarktes dürfte bereits gelaufen sein. Aktienindizes in den USA und in Europa dürften mittlerweile in der Nähe ihrer Tiefs sein oder haben diese schon gesehen. Jetzt noch Aktien im größeren Stil zu verkaufen halte ich für keine gute Idee. Im Gegenteil könnte man sich in den kommenden Wochen allmählich auf die Lauer legen und erste Neu-Positionen wieder aufbauen. Ich denke zwar nicht, dass wir gleich wieder eine anhaltende Rally wie nach dem Coronacrash sehen, aber von jetzt an bis zum Jahresende halte ich deutlich höhere Kurse als derzeit für wahrscheinlicher als dass wir das aktuelle Niveau halten oder sogar noch tiefer notieren.


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