Warum steigt der Kurs von Aktien, obwohl das Unternehmen keinen Gewinn erzielt?

Es gibt zwei Gründe, warum ein Anleger sein Geld in Aktien investiert. Zum einem möchte er einen regelmäßigen Ertrag in Form von Dividendenzahlungen als passives Einkommen erhalten. Zum anderen – und das ist den weitaus meisten Marktteilnehmern wichtig – freut er sich auf einen steigenden Kurswert der Aktie. Steigende Kurswerte von Aktien führen langfristig zu einem markanten Vermögensaufbau weit oberhalb der Inflation. Schnell drängt sich die Frage auf, warum denn der Kurs von Aktien überhaupt steigt oder fällt? Grundsätzlich steigt der Kurs einer Aktie, wenn es mehr Kaufinteressenten als Leute mit Verkaufsabsichten gibt. Jetzt gibt es auf der einen Seite solide Unternehmen, dessen Aktienkurs sich nur gemächlich oder gar nicht aufwärts bewegt. Auf der anderen Seite gibt es regelrechte Kursraketen, obwohl das zugrunde liegende Unternehmen keinen Gewinn oder sogar Verluste erwirtschaftet.

Ist der Gewinn eines Unternehmens der wichtigste Grund, warum eine Aktie steigt?

Nun gibt es immer viele Einflussgrößen, die den Wert einer Aktie bestimmen. Der Wert des Unternehmens an sich oder Wachstumsphantasien des Geschäftsmodells oder der Gewinn der Firma. Aber ist der Gewinn eines Unternehmens tatsächlich die wichtigste Größe, wie landläufig angenommen?

Blicken wir einmal auf den Chart folgender Aktie:

Warum steigt der Kurs von Aktien?

Logarithmische Darstellung eines Charts. Dieser stieg von 100 USD im Jahr 2010 auf fast 900 USD im Jahr 2017 – Quelle: comdirect.de

Das ist sicher ein Chart, bei dem jeder Anleger investiert gewesen sein möchte. In sieben Jahren hat sich der Kurs verneunfacht. Blicken wir nun auf den Gewinn pro Aktie.

Gewinn pro Aktie von 2012 bis 2016 – Quelle: Morningstar.de

In den ersten Jahren schwankte der Gewinn pro Aktie um null, also gab es mal einen leichten Gewinn und mal einen leichten Verlust. Erst 2016 ist statt einer roten oder schwarzen null ein Gewinn pro Aktie zu sehen, wenn er auch noch recht bescheiden ist. Ergänzend dazu waren die Profitablitätswerte wie Eigenkapitalrendite, Kapitalrendite und Umsatzrendite ebenfalls miserabel. Sie schwanken ähnlich wieder Gewinn um den Wert null herum. Niedriger bis nicht vorhandener Gewinn ergibt zwangsläufig ein hohes KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis). Das KGV lag in den letzten Jahren meist zwischen 100 und 1.000. In nahezu jedem Lehrbuch über Aktien steht zu lesen, dass ein Investment mit derart hohen Bewertungen kein gutes Chance-Risiko-Verhältnis darstellt.




Also mit Gewinnen oder Rentabilität oder einer günstigen Bewertung ist der fulminante Kursanstieg nicht zu begründen. Warum steigt der Kurs von Aktien also? Blicken wir als nächstes auf die Umsatzentwicklung und die Entwicklung des Free Cashflows.

Umsatz und Free Cashflow sind seit 2012 Jahr für Jahr angestiegen

Hier sehen wir seit 2012 bei beiden Kenngrößen einen kontinuierlichen Anstieg. Also scheinen zumindest in diesem Fall Umsatz und der free Cashflow für die Markteilnehmer eine wichtigere Rolle gespielt zu haben als der erzielte Gewinn. Einige Leser werden es vielleicht schon erkannt haben, es handelt sich hier um die Aktie des weltgrößten Onlinehändlers Amazon.

Gerade bei den hier auf diesem Blog häufiger besprochenen Dividenden-Aktien oder auch Aktien-ETFs mit einem Fokus auf Dividendenzahlungen sprechen wir im Standardfall von bereits renommierten Unternehmen, die regelmäßige Gewinne erzielen und einen Teil davon ihren Aktionären als Dividende auszahlen. Bei jungen Unternehmen, die erst noch ein Geschäftsmodell etablieren müssen, ist hingegen in den ersten Jahren überhaupt noch kein Gewinn vorhanden. Daher nutzen einige Marktbeobachter bei sogenannten Wachstumsunternehmen die Entwicklung des sogenannten freien Cashflows.

Hier unterscheidet man neben dem“operating Cashflow“ noch den „Cashflow from investing activities“ und den sogenannten „financial Cashflow“, bei dem es hauptsächlich um Zinszahlungen und Verbindlichkeiten geht. Für die Selbstfinanzierungsfähigkeit eines Unternehmens betrachtet man jedoch den operativen Cashflow und den Cashflow aus Investitionstätigkeiten. Beides zusammen wird auch als Free Cashflow bezeichnet, oder eingedeutscht der frei verfügbare Cashflow. Er verdeutlicht, wie viel Geld für die Dividenden der Aktionäre bzw. Gesellschafter oder für eine fällige Rückführung der Fremdfinanzierung (also Kredittilgung) verbleibt. Die Höhe des Free Cashflows ist ein Indikator für die Rückzahlungsfähigkeit von Krediten.

Die jährlichen Wachstumsraten des freien Cashflows sind ein gutes Indiz für die Wachstumsstärke eines Unternehmens, selbst wenn dieses noch kein Gewinn machen sollte. Aber als Prognose muss auch hier eine Extrapolation herhalten oder man nutzt die prognostizierten Cashflow-Zahlen von Analysten – mit der dazugehörigen Unsicherheit.

Der Unterschied zwischen Cashflow und Gewinn?

Offenbar gibt es also einen Unterscheid zwischen Gewinn und dem Cashflow. Dazu muss man wissen, dass letztendlich der Gewinn eine buchhalterische Größe ist. Diese kann durch Verschiebungen von Kosten und Einnahmen um einige Monate vom Management beeinflusst werden. Auch Abschreibungen über mehrere Jahre modifizieren hier den Gewinn, obwohl der Kaufpreis in der Regel einmal in voller Höhe anfällt und dann in den nächsten Jahren nicht mehr. Anders beim Cashflow. Hier ist das Geld letztendlich auf dem Geschäftskonto vorhanden oder eben nicht, daher ist der Cashflow für die aktuelle Situation des Unternehmens ehrlicher.
In der
Passiver Geldfluss Academy gehen wir auf den Cashflow sowohl beim Erwerb von Aktien als auch beim Investieren in direkte Firmenbeteiligungen ausführlich ein.

 

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1 Antwort

  1. 7. September 2017

    […] ehrlicher erkennen, wie gut es einem Unternehmen bzgl. der Liquidität geht. Im Artikel „Warum steigt der Kurs von Aktien, obwohl das Unternehmen keinen Gewinn erzielt?“ hatte ich schon einmal etwas ausführlicher darüber gesprochen. Der Cashflow ist in der […]

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