Die anfänglichen Herausforderungen bei finanzieller Unabhängigkeit

Inspiriert durch ein Gespräch, welches ich vor ein paar Tagen mit jemanden führen durfte, der relativ frisch finanzielle Unabhängigkeit erreicht hat, möchte ich in diesem Artikel auf einige Herausforderungen beim Erreichen der finanziellen Unabhängigkeit eingehen. Denn das Erreichen dieses Ziels eröffnet einerseits zahlreiche neue Wege für die eigene zukünftige Lebensgestaltung, zum anderen ändern sich zunächst einige Lebensumstände. Das könnte zunächst einmal zu vorher ungeahnten oder unterschätzten Herausforderungen führen, die es zu meistern gilt. Jemand, der sich weit weg von finanzieller Freiheit wähnt, wird diesen Artikel möglicherweise unter „Luxusprobleme“ einstufen, jedoch für einen frischen Privatier oder Menschen, deren finanzielle Unabhängigkeit bereits zum Greifen nahe ist, wird dieser Beitrag einige nützliche Tipps bringen.

Es gibt verschiedene Wege zur finanziellen Unabhängigkeit

Zunächst einmal möchte ich grob zwischen zwei Varianten des Erreichens der finanziellen Unabhängigkeit unterscheiden. Die erste ist, wenn jemand durch eine unternehmerische Tätigkeit relativ rasch ein hohes Einkommen erzielt und gleichzeitig – bei richtiger Anwendung von finanzieller Bildung – ein höheres passives Einkommen erreicht als er aufgrund seiner monatlichen Ausgaben benötigt. In diesem Fall bekommt derjenige es wahrscheinlich gar nicht so schnell mit und stellt erst im Laufe der Zeit fest, dass er schon finanziell frei ist. Hier hat er eine Unternehmung derart zum Laufen gebracht, dass er sich um solche Luxusprobleme weniger Sorgen machen dürfte.

Der häufigere Fall ist durch Vermögensaufbau in einem Angestelltenverhältnis (oder einer Selbständigkeit mit moderatem Wachstum des Geschäfts) und Erschaffen von eher kleineren Vermögenswerten in einer nebenberuflichen Selbständigkeit ein eher langsames Anwachsen der passiven Einkünfte (oder wer diesen Begriff nicht mag: wiederkehrendes bzw. automatisiertes Einkommen). Nicht selten kommt es hier irgendwann zum Ausstieg aus dem bisherigen Arbeitsverhältnis oder zumindest einer Reduzierung der bisherigen Arbeitszeit.

Nun ist sie da die Freiheit, also keine beruflichen Zwänge, morgens richtig lange ausschlafen, Urlaubszeit und abends lange unterwegs sein. Oder man begibt sich auf eine längere Reise. Darüber berichtete ich in der Artikelserie „Das Leben in der finanziellen Unabhängigkeit„. Im Standardfall dauert diese – besonders aus der Sicht gestresster Arbeitnehmer – traumhafte Zeit des Lebens jedoch nur wenige Wochen, bis eine gewisse Ernüchterung, später auch Langeweile einkehrt. Denn eine fehlende echte Aufgabe im Leben kann zu schlimmer innerer Unzufriedenheit führen. Selbst wer sich vornimmt an ein bis zwei Tagen in der Woche an eigenen Projekten zu arbeiten, wird feststellen, dass er in diesen Fällen nur schwer in einen produktiven Modus gelangt. Möglicherweise verschiebt man die Aktivität aus irgendeinem Grund auf nächste Woche und so geht schnell ein Monat dahin, ohne etwas Konstruktives geschaffen zu haben. Selbst, wenn man nicht auf zusätzliche Einkünfte angewiesen ist, führt längere Unproduktivität und eine fehlende Struktur des Tages oder der Woche zu einer inneren Unzufriedenheit. Ein Umstand, den etliche Menschen bestätigen können, die von einem Tag auf den anderen aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind und nun keine Folge-Aufgabe haben.

Was kann also jetzt jemand tun, der finanzielle Unabhängigkeit erreicht hat und nach den Freuden der unbegrenzten Freiheit nun wieder seinen Lebensweg finden möchte?



Was ist meine Aufgabe auf dieser Welt?

Daher ist aus meiner Sicht eine der ersten Fragen, die man für sich spätestens beim Erreichen der finanziellen Unabhängigkeit klären muss, was die eigentliche Aufgabe auf dieser Welt für einen selbst ist. Ein Großteil der Alltagsverpflichtungen sind nun weggefallen und man gehört immerhin zu einem kleinen Teil der Gesellschaft, der sich über ganz andere Themen Gedanken machen darf. Da genug Einkünfte vorhanden sind, steht zukünftig weiteres Geld weniger stark im Vordergrund als die Sinn-Frage. Denn erst das eigentliche Warum hinter unserem Tun treibt uns wirklich an. Es helfen die schönsten ToDo-Listen nichts, solange man keine Antwort auf die Frage nach dem Sinn weiß. Denn dann bleiben die ToDos zum größten Teil unbearbeitet und Sie werden nie Ihre vollen Stärken ausspielen können und nicht morgens begeistert für Ihr Tun aus dem Bett steigen. Wenn Sie das tun, was Sie lieben, werden Sie ein gewisses Niveau an Begeisterung für lange Zeit aufrecht halten können.

Im ArtikelMacht Geld glücklichhatten wir festgestellt, dass unser Glücksempfinden besonders stark ansteigt, wenn wir Werte für andere Menschen schaffen. Wenn Sie also auf der Suche nach der Antwort auf die Frage sind: Was ist hier meine eigentliche Aufgabe, dann machen Sie sich klar, mit welchen eigenen Fähigkeiten und Stärken Sie anderen Menschen helfen können.

Die Suche nach der richtigen Antwort kann mitunter mehrere Monate in Anspruch nehmen. In dieser Zeit erlauben Sie sich einfach auch mal völlig neue Dinge auszuprobieren. Sobald Sie merken, dass die Begeisterung für diese Tätigkeit fehlt, dann probieren Sie etwas anderes aus.

Hier empfehle ich in jedem Fall sich neben der fachlichen Weiterbildung zusätzlich mit Persönlichkeitsentwicklung zu beschäftigen. Das ist der beste Weg, um eigene wichtigsten Lebensfragen zu beantworten und auch mit sich selbst ins Reine zu kommen. Den Erfolg werden Sie anschließend in sämtlichen Lebensbereichen (Beruf, Finanzen, Privat, Gesundheit) bemerken. Für einen ersten Einstieg, finde ich folgende Bücher für Persönlichkeitsentwicklung gut geeignet.

Sorgen Sie für eine gewisse Struktur in Ihrem Leben

Die Freiheit einfach in den Tag hineinzuleben und schlimmstenfalls noch mehrere Stunden vor dem Fernseher zu sitzen, kann sehr trügerisch sein. Wer am Ende der Woche regelmäßig feststellt nichts wirklich Nützliches für sich und andere getan zu haben, wird alles andere als glücklich und zufrieden sein. Bei mir ist so, dass ich aufgrund meiner mittel- und längerfristigen Ziele (mit für mich entsprechendem Sinn dahinter) eine Woche im Voraus meine ToDo-Punkte plane. Mein Plan ist zwar nicht prall gefüllt, da es immer auch dringende oder wichtige spontane Ereignisse/Termine gibt, die ich wahrnehmen möchte, aber ich habe meine mir selbst gesteckten Aufgaben im Laufe einer Woche. Sofern ich abends nicht auf Events oder Veranstaltungen bin, steht Weiterbildung auf dem Programm.

Schaffen Sie sich ein neues Umfeld

Finanziell unabhängige oder finanziell freie Menschen werden auch zukünftig aus diversen Gründen eindeutig in der Minderheit bleiben. Dennoch ist es wichtig, sich mit diesen Menschen zu vernetzen und möglichst ab und zu Zeit mit „Gleichgesinnten“ zu verbringen. Denn wenn Sie auch persönlich weiter wachsen wollen, dann ist es notwendig, sich mit Leuten zu umgeben, die möglichst schon weiter sind als man selbst und ein Zitat ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „Wenn du der beste in einem Raum bist, dann bist du im falschen Raum„.

Das heißt nicht den Kontakt zu seinem gewohnten Umfeld aufzugeben, aber an einem neuen Umfeld sollte eine finanzielle unabhängige Person (oder die kurz davor steht) in jedem Fall arbeiten. Neue Impulse und Inspirationen bereichern in mehrfacher Hinsicht das eigene Leben.

Herausforderungen bei finanzieller Unabhängigkeit

Mitten im Leben seine Berufung zu wechseln wird immer häufiger zur Realität. Eine neue Lebensaufgabe zu verspüren ist nicht ungewöhnlich und gehört zum Wachstum eines Menschen dazu. Natürlich treten beim Betreten von neuen Pfaden zwischendurch auch mal Zweifel und Herausforderungen auf. Bildquelle: pixabay.com

Es ist nicht ungewöhnlich mehrere Lebensaufgaben zu haben

Es gehört gesellschaftlich zum Standardfall, dass man nach einer Ausbildung bzw. einem Studium während der weiteren Berufszeit beim studierten Thema bleibt. Das war früher tatsächlich häufig so, heute ist es hingegen in der Praxis eher schon fast die Ausnahme. Es ist für die eigene Entwicklung sogar förderlich, im Verlauf des Lebens mehrere größere Aufgaben zu verfolgen. Was im Volksmund eher negativ angehaucht Midlife-Crisis genannt wird, ist genau so ein Wechsel seiner Aufgabe im Leben. Der Journalist und Investor Rainer Zitelmann beschrieb genau das in seinem BuchWenn Du nicht mehr brennst, starte neu!Daher machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie merken, dass Ihre bisherige Aufgabe bei Ihnen an Stellenwert verliert und dafür eine andere Aufgabe reizvoller erscheint.

Fazit

Bevor nach dem Lesen dieses Artikels der Eindruck entsteht, finanziell unabhängige Menschen hätten vor allem Probleme zu bewältigen, ganz klar die Aussage: Finanzielle Unabhängigkeit oder finanzielle Freiheit ist ein lohnenswertes Ziel im Leben, was ich jedem empfehlen kann. Denn es öffnet nicht nur viele neue Türen und Möglichkeiten, sondern sorgt auch für mehr Gelassenheit im Alltag und generell höherer Lebensqualität. Das weitere Vorgehen kann sich allerdings jeder aussuchen. Entweder man verändert (vorerst) nichts an seinem bisherigen Leben oder nutzt dieses Ereignis, um noch einmal völlig neue Wege zu gehen. Nach einem Schritt aus dem bisherigen Arbeitsleben können jedoch temporär solche Herausforderungen auftreten, wie in diesem Artikel beschrieben. Das ist jedoch durchaus normal, wenn einem nicht sofort die nächste Aufgabe klar wird und es dafür einige Wochen oder wenige Monate braucht, um diese Klarheit zu erhalten.

 

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3 Antworten

  1. Thorsten sagt:

    Hi Lars,

    die Gedanken kann ich gut nachvollziehen – ich bin zwar (noch) nicht finanziell frei, strebe dies aber an. Ich habe mir aber schon auf dem Weg angefangen Gedanken zu machen, wie ich meinen Tag verbringen möchte, wenn ich die Finanzielle Freiheit erreicht habe.

    Ich weiß, dass ich meine Vorstellung da noch etwas konkretisieren und bei einigen Themen, wie soziale Projekte (welche? wo? warum), noch den richtigen Einstieg finden muss…

    Aber ich habe schon für mich festgehalten, dass ich es wichtig finde seine Träume (also das was man mit der Finanzielle Freiheit erreichen will) als Antrieb zu nehmen:
    https://thorstenhartmann.de/warum-deine-traeume-dein-antrieb-sein-sollten/

    Und nicht nur das Ziel FF / FIRE selbst, sonst fürchte ich „fällt man in ein Loch“ – das kann / sollte man vermeiden, indem man sich voher Gedanken macht und ein paar Ideen und Kontakte für spätere Projekte vorbereitet.

    Danke, mit Deinem Artikel bestätigst Du mich ein Stück weit in meinem Denken 🙂

    Viele Grüße
    Thorsten

  2. Hallo Lars,

    wir kennen uns noch nicht, aber der Artikel hat mir gut gefallen und ich habe dich mal gespeichert. Genau das was du beschreibst, habe ich am eignen Leib erfahren und kenne zwei Bekannte, bei denen dies auch so war und sogar immer noch ist. Die ersten 4-6 Wochen ist das ganz nett nicht mehr zur Arbeit gehen zu müssen, aber dann fällt man in ein gefährliches Loch, wenn man nicht etwas dagegen macht. Als Ex-Banker habe ich mein eigenes Projekt mit Blackwater gestartet, welches mir einiges an Arbeit macht, aber auch sehr viel Freude. Meine beiden Bekannten, einer trinkt jeden Abend, der andere kauft Zeug was er nicht braucht und fährt jeden Tag mit einem 600 Mercedes um das Haus in dem Dorf wo er wohnt, sind irgendwie abgestürtzt. Ihre Ehen gleich mit. Wer keine Erfahrung mit finanzielle Unabhängigkeit hat, fällt schnell in ein tiefes Loch, viel schlimmer wie selbst der furchtbarste Horrorjob vorher. Nochmals danke für diesen Artikel!

  3. LarsHattwig sagt:

    Vielen Dank für die Kommentare und eure Erfahrungsberichte!
    Insbesondere wenn ich von Abstürzen lese, dann ist das Finden der Sinn-Frage wirklich der wichtigste Punkt. Eine Struktur in seinem Ablauf zu bringen oder ein neues Umfeld zu suchen, sind dagegen vergleichsweise Techniken.

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