Macht Geld glücklich?

Eine beliebte Frage von Menschen, die mit ihrem Leben aus irgendeinem Grund nicht zufrieden sind, ist: Macht Geld glücklich bzw. macht viel Geld glücklich, welches man besitzt oder zu einem fließt? Wer chronisch knapp bei Kasse ist oder derzeit finanzielle Sorgen hat, wird die beiden Fragen mit hoher Wahrscheinlichkeit bejahen. Aber blicken wir einmal grundsätzlich auf die Frage, ob Geld glücklich macht.
Es gibt zahlreiche Dinge im Leben, die unser Glücksempfinden beeinflussen. Der Verlust einer Freundschaft, eines Partners oder eines sonst nahe stehenden Menschen macht uns natürlich unglücklich. Gute Freunde, eine gut funktionierende Partnerschaft, wiedererlangte Gesundheit oder ein entspannender Urlaub können uns sehr glücklich machen. Oft sind es schon die kleinen Dinge des Lebens wie ein kleiner Flirt oder ein anderes positives Erlebnis, welches bei uns Emotionen des Glücks auslösen. Aber wie sieht es eigentlich bei Geld aus? „Geld ist nicht alles. Aber ohne Geld ist alles nichts.“ lautet ein bekanntes Sprichwort. Macht uns viel Geld glücklicher als zuvor oder sorgt es grundsätzlich für ein beständiges Glücksgefühl? Dieser Frage gehe ich in diesem Artikel nach.



Nehmen wir die dazu bislang in Untersuchungen gewonnenen Erkenntnisse als Grundlage.

Bis zu welchem Einkommen oder Vermögen steigt das Glücksgefühl durch Geld an?

Mehr Geld zu verdienen steigert tatsächlich das Glücksempfinden, aber nur bis zu einer bestimmten Grenze. Diverse Studien haben gezeigt, dass ein höheren Einkommen solange glücklicher macht, bis wir regelmäßig unsere Grundbedürfnisse zufriedenstellen können. Das heißt, bis wir problemlos unsere Miete bezahlen können, unser Kühlschrank gefüllt ist und für unsere Gesundheit sorgen können. In der Bedürfnispyramide müssen die unteren beiden Ebenen, also die physiologischen Bedürfnisse und Sicherheitsbedürfnisse erfüllt sein. Um zufrieden zu sein, reichen 60.000 Euro Nettogehalt im Jahr (oder durchschnittlich 5.000 Euro pro Monat) für ein angenehmes Leben aus. Das heißt, nur etwa bis zu diesem Wert steige die Lebensqualität und das Glücksempfinden durch Geld.

Diese Grenze ist eher schon hoch gewählt, da man je nach Lebensumstände auch schon mit 3.000 oder 4.000 Euro Netto pro Monat keine Geldsorgen mehr hat.

Betrachten wir der Vollständigkeit halber noch den Fall, dass kein Geld mehr aus aktiver Arbeit verdient werden soll, sondern dass aus bestehendem Kapital genug Einkünfte zur Verfügung stehen. Bleiben wir in der Mitte der zum glücklich sein genannten Monatseinkünfte, nämlich 4.000 Euro. Im Artikel „Größenordnung der monatlichen Ertragsrendite bei Dividenden-Aktien“ hatte ich vorgerechnet, dass man mit 1,5 Millionen Euro an Vermögen auf der sicheren Seite ist, um 4.000 Euro monatliches Nettoeinkommen aus Kapitalerträgen zu erhalten. Möchte man das Kapital im Laufe der Zeit verzehren, um auf diese monatlichen Beträge zu kommen, reicht eine knappe Million etwa schon für 40 Jahre. Ein heute 40- bis 45-jähriger könnte es mit diesem Vermögen bis zum Lebensende schon darauf ankommen lassen, zumal es ab etwa 70 Jahren eine gewisse Zahlung aus der gesetzlichen Rentenkasse noch on top gibt.

Ok, halten wir bis hierhin fest: Sobald jemand monatlich genug Geld zur Verfügung hat, damit er wegen der Grundbedürfnisse keine schlaflosen Nächte hat, hat er bereits ein Glücksempfinden erreicht, dass durch mehr Geld kaum mehr oder nur noch wenig mehr steigerbar ist. Können dennoch noch höhere Einkünfte dafür sorgen, dass sich auf eine andere Weise mehr Zufriedenheit einstellt?

Die britischen und US-amerikanischen Ökonomen Angus Deaton sowie Daniel Kahnemann (Wirtschaftsnobelpreisträger des Jahres 2002) stellten neben der bereits genannten Grenze von etwa 60.000 Euro jährlich auch folgendes fest: Eines der größten Glückshemmnisse sei das Gefühl nichts nützliches (mehr) machen zu können. Daher ist zum Beispiel die Arbeitslosigkeit bei vielen ein Auslöser von Unglück.

Unabhängig von der Höhe des Einkommens und Vermögens ist einer der größten Glückstreiber etwas Nützliches für andere Menschen zu tun, diesen Umstand hatte ich unabhängig vom Thema dieses Artikels bereits im Artikel „Wie werde ich glücklich“ hervorgehoben. Dazu passend gehört auch als eines der Ergebnisse diverser Untersuchungen, dass wohlhabende Menschen häufig mehr auf immaterielle Güter hinarbeiten. Das kann einerseits die berühmte Weltreise sein oder das Erlernen einer neuen Sprache, selbst im höheren Alter, oder eben ein Engagement für andere Menschen auf dieser Welt, denen es nicht so gut geht. 

Macht Geld glücklich? - Reise und Sonnenuntergang

Geld für eine eine Bildungsreise oder Erlebnisreise auszugeben steigert bei Menschen ebenfalls das Glücksempfinden. Quelle: pixabay.com

Wer mehr hat als andere „fühlt sich glücklicher“

Interessant ist ferner folgendes Ergebnis: Wer sich im Vergleich zu seinen Nachbarn, Bekannten oder Arbeitskollegen relativ besser sieht, empfindet mehr Glück.

Passend dazu: In einer Untersuchung an der Harvard-Universität in Massachusetts sollten Studenten zwischen zwei möglichen Szenarien wählen: In dem einen verdienen sie 50.000 Dollar pro Jahr, alle anderen Menschen lediglich 25.000 Dollar. In dem anderen Szenario erhalten sie 100.000, die anderen aber 250.000 Dollar. Die Mehrheit der Studenten entschied sich für die erste Variante. Lieber deutlich weniger Geld zur Verfügung zu haben als im Vergleich ärmer zu sein als die anderen Leute.

Für die allgemeine Zufriedenheit ist es also gut, wenn die sozialen Unterschiede nicht so groß sind, wenn man im Vergleich zu anderen nicht so schlecht abschneidet. Im manager-magazin.de fand ich dazu folgendes Zitat:
Laut einer Studie der Aarhus School of Business sind Menschen umso unglücklicher, je weiter sie politisch links stehen. Sie leiden besonders unter den sozialen Ungleichheiten, sogar wenn sie nicht betroffen sind.

Letztendlich zwingt uns niemand dazu, dass wir uns ständig mit anderen vergleichen. Diese Gewohnheit haben wir selbst entwickelt, weil wir sie uns im Laufe unseres Lebens von der Gesellschaft angeeignet haben. Im Artikel: Fünf Tipps für eine höhere Lebensqualitäterfahren Sie, dass unser Zufriedenheitsniveau sofort steigt, sobald wir aufhören uns mit anderen zu vergleichen. Stattdessen ist es eine wesentlich bessere Variante, dass man seine eigenen Fortschritte im Leben im Vergleich zu früheren Zeitpunkten sieht.

Wie kann man mit viel Geld proaktiv glücklich sein?

Die bisherigen Erkenntnisse wie glücklich finanzieller Wohlstand machen kann, waren eher gemischt. Die Frage ist nun, was kann man konkret tun, um dann mehr Glücksgefühl zu empfinden?

Der Autor der Webseite „Millionär und mehr“ stellte zu dieser Fragestellung fest:
Diejenigen, die das Geld als „prosoziale Ausgabe“ für andere Menschen verwendet hatten, waren glücklicher am Ende des Tages als die, die das Geld für sich selbst ausgegeben hatten.

In einer anderen Veröffentlichung heißt es:
Geld macht glücklich – solange es nur richtig genutzt wird“ und daraus folgten einige Empfehlungen, unter anderem:

  • „In Erlebnisse investieren, also mehr für Erfahrungen als für materielle Dinge ausgeben“.
  • „Anderen eine Freude machen“, das heißt, wer mehr Geld für andere Menschen ausgibt, fühlt sich glücklicher als wenn er es für sich selbst gemacht hätte.
  • „Weniger Geld in Sicherheit stecken, also auf zu viele Garantien verzichten“. Wir Menschen gewöhnen und erholen uns schneller von Verlusten als wir vorher annehmen.

Die Punkte Geld in Erfahrungen und weniger in Sicherheit stecken lassen sich bei der Geldanlage auch konkret umsetzen. Ein Beispiel ist, weniger Geld in Versicherungen und in vermeintlich sicheren Anlagen stecken, dafür mehr Risiken einzugehen, in dem man auch Aktien für die Geldanlage nutzt. Oder aus beruflicher Sicht, in dem man weniger an einem zwar vermeintlich sicheren, aber wenig geliebten Arbeitsplatz klebt. Hier bietet sich an, zumindest nebenberuflich zu versuchen eine Selbständigkeit aufzubauen.  Vielleicht wäre dies bereits ein Schritt, um sein Glücksempfinden zu steigern?

Anderen mit Geld eine Freude machen oder generell etwas Gutes zu tun, kann jeder durch Spenden erreichen. Aus meiner Sicht ist es dabei jedoch wenig hilfreich einem Obdachlosen einen Euro in die Hand zu drücken. Damit könnte er sich zwar für die nächsten Stunden etwas kaufen, es löst aber nicht sein Problem an sich. Ein Fortbildungskurs zu spendieren oder andere systemische Hilfen sind hier zielführender, dass dieser Mensch wieder nachhaltig aus seiner Misere herauskommt. Abgesehen von der Freude, die man beim Spenden empfindet, gehört es meiner Meinung nach für Menschen, die im Überfluss leben können, zum Pflichtbewusstsein einen Teil davon an Bedürftige abzugeben.

lachende Frau - macht Geld glücklich?

Mit Geld anderen Menschen eine Freude bereiten oder etwas zu ermöglichen, was sie selbst ohne weiteres nicht geschafft hätten, das sorgt auch beim Gebenden für ein hohes Glücksempfinden. Quelle: pixabay.com

 

Fassen wir an dieser Stelle zusammen

  • Höheres Einkommen erzeugt nur bis zu einer gewissen Grenze ein höheres Glücksgefühl
  • Vergleich mit anderen Menschen ist wichtig. Bei relativ höherem materiellen Verdienst/Eigentum als andere stellt sich ein höheres Glücksgefühl ein (ob das sinnvoll ist, hatte ich weiter oben bereits hinterfragt)
  • Wer anderen mit Geld Freude bereitet, empfindet ein höheres Glücksgefühl als wenn er es für sich selbst tut
  • Viel Geld zu besitzen wirkt positiv, wenn man es für Erlebnisse mit neuen Erfahrungen verwendet und man in der Lage ist sich häufig qualitativ hochwertigere Anschaffungen zu leisten

Zum Schluss noch die Bemerkung: Es gibt auch Situationen, in denen Geld mit recht hoher Wahrscheinlichkeit unglücklich macht, und zwar wenn Menschen überraschend zu viel Geld kommen, aber die Grundregeln der finanziellen Bildung nicht beherrschen. In solchen Fällen passen diese Leute zwar recht rasch ihren Lebensstil nach oben an. Sobald das Geld meist innerhalb von ein bis zwei Jahren wieder ausgegeben ist, macht sich eine dauerhafte Unzufriedenheit breit.

Wer viel Geld hat, bei dem steigt die Sorge, dieses aus irgendeinem Grund wieder verlieren zu können. Sei es durch Diebstahl, Gesetzesänderungen, Inflation, einem Börsencrash usw. Die Angst vor Verlusten gehört zu den stärksten Emotionen, die wir Menschen empfinden. Das ist zwar kein Grund, nicht nach finanziellem Wohlstand zu streben, jedoch sollte man sich bezüglich dieses „Luxusproblems“ am besten schon vorher Gedanken machen, sonst kann diese Angst zur dauerhaften Belastung werden und das Glücksempfinden beträchtlich reduzieren.

  • Sie wollen grundsätzlich mehr aus Ihrem Geld machen?
  • Die Zeiten einer knappen Kasse soll bei Ihnen der Vergangenheit angehören?
  • Ihr Geld soll endlich einmal hart für Sie arbeiten? 
  • Sie möchten langfristig Vermögen aufbauen?
  • Sie möchten mehr zu passivem Einkommen erfahren?
  • Sie möchten sich über den aktuellen Status der Aktienmärkte informieren?

Falls Sie mindestens eine Frage mit „Ja“ beantworten konnten, tragen Sie sich rechts oben in den kostenlosen Newsletter von finanziell umdenken ein. Holen Sie sich mit der Anmeldung in den Newsletter zusätzlich das gratis eBook „Wie nahe sind Sie bereits Ihrer finanziellen Unabhängigkeit?“

Zum Weiterlesen:

Das könnte Dich auch interessieren...

2 Antworten

  1. Sanja sagt:

    Da hab ich erst letztens ein Video gesehen, wo man Menschen im verschiednen Alter gefragt hat, mit wie viel Geld sie sich glücklich schätzen würden. Im groben zusammengefasst war es so: die Junge Generation bis 30, sind mit 2.000€ – 5.000€ monatlich Netto glücklich und die ältere Generation von 10.000€ – Millionen.
    Finde Geld ist nur ein Mittel zum Zweck und vereinfacht einige Dinge und lässt einen in Sicherheit wiegen, wenn man es klug und intelligent angeht.
    Siehe die Statistik das die frischen Millionäre, die in Lotto gewinnen, in ein paar Jahren wieder arm sind.

  2. leo sagt:

    „In dem einen verdienen sie 50.000 Dollar pro Jahr, alle anderen Menschen lediglich 25.000 Dollar. In dem anderen Szenario erhalten sie 100.000, die anderen aber 250.000 Dollar. Die Mehrheit der Studenten entschied sich für die erste Variante.“

    Da haben sich die Studenten richtig entschieden, wenn ALLE (außer sich selbt) 10 mal mehr verdienen, ist das Geld entsprechend weniger Wert. Beispiel: Wenn Bäcker statt 25.000 € 250.000 € verdient, muss das Brötlichen auch 10 mal mehr kosten, damit er 10 mal so viel verdient.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.