Fünf Gründe, warum es nicht sinnvoll ist, seine Aktien im Sommerhalbjahr zu verkaufen

Fünf Gründe, warum es aus meiner Sicht nicht sinnvoll ist, seine Aktien im Sommerhalbjahr zu verkaufen.
Im Frühling eines jeden Jahres wird neben den hauptsächlich bei europäischen Aktien üblichen Dividendenausschüttungen  vor allem über das ThemaSell in May and go awaygesprochen. Hintergrund dieser „Börsenweisheit“ ist, dass die Zeiträume zwischen Oktober und April statistisch die erfolgreicheren bei Aktien sind. Während in der Zeit von Mai bis September im langjährigen Durchschnitt eine schwächere Performance zu erwarten sei. Dieses statistische Ergebnis scheint sich derart festgesetzt in den Köpfen der Marktbeobachter zu haben, dass recht pauschal der Sommer als eine Zeit angesehen wird, in der ein Anleger seine Aktien verkaufen sollte. In diesem Artikel möchte ich nun fünf Gründe nennen, warum ich es nicht für sinnvoll halte, seine Aktien im Sommer zu verkaufen:



1.) Der globale Aktienmarkt steigt langfristig immer weiter an

In einer seit nunmehr fast 140 Jahre langen Historie hat der Aktienmarkt global betrachtet aufwärts tendiert.  In dieser Zeit, die mit zwei Weltkriegen, zwei Weltwirtschaftskrisen, dem Kalten Krieg, Terroranschlägen nicht einmal besonders positiv ausgewählt ist, konnte im Durchschnitt mit Aktien 8% Rendite pro Jahr erzielt werden. Ich wüsste aus heutiger Sicht keinen Grund, warum dieser Trend nicht weitergehen sollte, zumal wir mit zunehmender Digitalisierung in einem schnelllebigen Zeitalter leben. Mit Aktien erwirbt ein Anleger Bruchteile von Unternehmen, die letztendlich für den Wohlstand verantwortlich sind, den wir heute genießen dürfen. 

Daher ist die Frage berechtigt, ob es wirklich Sinn macht, im Sommer seine Aktien zu verkaufen?

2.) Es ist kaum möglich die besten Zeitpunkte für Verkauf und Kauf zu erwischen

Wenn die Zeit bis April so gut ist, wann genau sollte ein Anleger dann also verkaufen? Anfang oder Ende April? Vielleicht steigt der Markt ja bis Mitte Mai noch? Oder wann sollte der Wiedereinstieg durchgeführt werden? Lieber September oder Oktober?

Ich kann mich noch an den Spätherbst 2015 erinnern, als ich im November gefragt wurde, wann denn nun die Jahresendrally beginnen würde. Dummerweise hatten die größten Kursanstiege schon im Oktober stattgefunden und der Dezember erwies sich als schwacher Börsenmonat.

3.) Ohne Aktieninvestments keine Dividendenzahlungen

Wer tatsächlich innerhalb eines Jahres seine Aktien verkauft, wird eher zufällig regelmäßige Zahlungen in Form von Dividenden erhalten. Das ist in Ordnung, sofern jemand keinen Wert auf einen regelmäßigen Ertrag legt. Für jeden der aufgrund von Dividendenzahlungen passives Einkommen erhalten möchte, sind temporäre Verkäufe wenig sinnvoll. Wer dennoch Angst vor Kursverlusten hat und seinen Fokus nicht hauptsächlich auf den Ertrag legen kann, kann sich stattdessen Absicherungsstrategien fürs Depot näher anschauen bzw. sein Portfolio so aufstellen, dass die Schwankungen aufgrund der Anlageklasse Aktien nicht zu groß ausfallen.

4.) Die Sommermonate sind überhaupt gar nicht so schlecht

Jetzt kommt eine Statistik, bei der die Grundlage der Argumentation für Aktienverkäufe zum Sommer hin fast schon beiseite geräumt wird. In der folgenden Grafik ist die mittlere Performance des Dow Jones Industrial Average für jeden Monat im Zeitraum 1896 bis 2014 zu sehen.

 

Aktien im Sommerhalbjahr zu verkaufen - Die mittlere monatliche Kursperformance in Prozent des Dow Jones Industrial Average im Zeitraum 1896 bis 2014

Die mittlere monatliche Kursperformance in Prozent des Dow Jones Industrial Average im Zeitraum 1896 bis 2014

 

Zugegeben, Mai und September weisen in diesen 118 Jahren im Mittel eine negative Performance auf. Das scheint mir auch der Hauptgrund dafür zu sein, warum das Mittel der Monate Mai bis September ein statistisch schwächeres Ergebnis liefert als das Winterhalbjahr, weil in dieser Zeit deutlich negative Monate fehlen. Die Monate Juni, Juli und August waren in dieser durchaus langen Zeit jedoch besser als beispielsweise Oktober, Februar und März.

Aus meiner Sicht kann diese Statistik noch aus einer anderen Perspektive betrachtet werden: In acht bis zehn (wenn man die leicht positive Performance von Februar und Oktober hinzunimmt) von zwölf Monaten steigt der Aktienmarkt im vieljährigen Durchschnitt an. Was für einen Grund sollte ich haben, um ein global diversifiziertes Depot für die langfristige Geldanlage wegen ein paar Monate mit all dem Aufwand auflösen?

5.) Häufiges Handeln kostet nur unnötig Geld

Jedes Mal, wenn Wertpapiere gekauft oder verkauft werden, fallen Gebühren an und man muss Veräußerungsgewinne versteuern. Wie in Punkt 2 besprochen findet man im Standardfall auch nicht die optimalen Ausstiegs- und Wiedereinstiegszeitpunkte. Nicht selten findet daher der Wiedereinstieg auf einem teureren Niveau statt als man verkauft hat. Hier gilt es wirklich die alte Börsenweisheit zu beachten: „Hin und her macht die Taschen leer.“

Fazit

Also für mich ist anhand dieser wirklich langfristigen Grafik der Monatsperformance des Dow Jones Industrial Average – der kleinere Brunder des breiten US-Index S&P 500 – nicht ersichtlich, warum jemand im Sommerhalbjahr seine Aktien verkaufen sollte. Abgesehen von der fehlenden Dividendenzahlung stellt sich bei Aktien oder Aktien-ETF noch die Frage, in welcher Form diese im Frühling verkauft und im Herbst wieder gekauft werden sollten? An einem festgelegten Tag oder in Intervallen?
Daher meine klare Aussage: Wegen einer Jahreszeit ist es nicht sinnvoll, seine Unternehmensbeteiligungen zu verkaufen. Da gibt es ganz andere Gründe, um seine Aktien aus dem Depot zu werfen, die wir hier auf dem Blog an einigen Stellen oder in der Passiver Geldfluss Academy besprochen haben.

 

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2 Antworten

  1. Sanja sagt:

    Man sollte nie Aktien verkaufen, kaufen, einschlafen, nach 40 Jahren aufwachen und freuen (pauschalisiert).
    Wenn ich schon in der „Fachpresse“ sowas lese sell in May, krieg ich die Krise! Da draußen gibt es soviele Menschen die auf diesen „Ratschlag“ hören.

  2. Michael sagt:

    Buy and hold ist Trumpf. Und zwar erstklassige Dividendenwerte. Zurücklehnen und geniessen.

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