Wie kann ich mich vorbereiten, falls es doch einen Euro-Crash geben sollte?

Wie kann man sich als Anleger darauf vorbereiten, wenn es doch einmal zum Euro-Crash kommen sollte? Seit einigen Wochen ist der Euro fast weltweit gegenüber anderen Währungen auf dem Rückzug, wobei die jüngsten Vorgänge in Italien sicherlich mitgewirkt haben. Europas Banken haben sich seit der Finanzkrise nicht wirklich nennenswert gestärkt, um eine nächste Krise zu überstehen. So notiert der Aktienkurs der Deutschen Bank – immerhin die größte Bank im wirtschaftlich stärksten Land der Eurozone – auf dem tiefsten Wert seit mehr als zwei Jahrzehnten. Das sind nur einige wenige Punkte, die zeigen, es ist Besorgnis bei Marktbeobachtern zu bemerken. Sobald auch nur ansatzweise finanzielle Schwierigkeiten in einem Land der Eurozone auftauchen, kehrt die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone zurück.

Es hatten mich in den letzten Monaten einige Leser darauf angesprochen, wie man sich als Privatanleger vor solch einem Worst-Case-Szenario schützen könne. In diesem Artikel möchte ich Möglichkeiten aufzeigen, was ein Privatanleger tun kann, um im Fall der Fälle, also wenn es zu einem Euro-Crash käme, vorbereitet zu sein. Dazu gleich der Zusatz, dass ich grundsätzlich optimistisch in die Zukunft blicke und in absehbarer Zeit solch ein Szenario nicht für allzu wahrscheinlich halte. Allerdings liegt das Risiko für einen Euro-Crash auch nicht bei 0%.

Das Konstrukt der Eurozone hat als großes Ziel eine Solidargemeinschaft. Das heißt, die wirtschaftlich stärkeren Staaten unterstützen im Zweifelsfall die schwächeren Ländern. Auch die Zentralbank EZB orientiert sich bei ihrer Finanzpolitik vorwiegend an der Situation der schwächeren Länder. So ist beispielsweise der Leitzins des Euro von 0% für die schwächeren Staaten angemessen, ja sogar notwendig, um Wachstum dort nicht gleich im Ansatz zu unterbinden. Für wirtschaftlich robustere Staaten wie Deutschland, ist der Zinssatz zu niedrig. Jedoch ist dies im gewissen Maße sogar gewollt, um auf diese Weise durch Inflation und finanzielle Repression einen Teil der Verschuldung der gesamten Eurozone wieder abzubauen.



Grundsätzlich ist eine enge Zusammenarbeit der Staaten in Europa sinnvoll, weil einzelne – im Vergleich zur übrigen Welt – kleine Länder, sonst wirtschaftlich und politisch an Bedeutung verlieren werden. Europa ist ohnehin die Region mit der ungünstigsten demographischen Entwicklung und besonders im Bereich der Technologie, sind andere Kontinente wie Nordamerika und Asien bereits deutlich an Europa vorübergezogen. Aus dieser Sicht umso unverständlicher die Tendenz zu mehr Nationalismus in vielen europäischen Ländern.

Falls nun ein größeres Land der Eurozone diese verlassen wollte oder auch nur bedeutende finanzielle Schwierigkeiten bekäme, hätte dies auch direkt Einfluss auf die gesamte Eurozone. Welche konkreten Folgen in solch einem Fall auf uns zukommen könnten, dazu wimmelt es nur von Büchern über einen Crash der Eurozone. und hier noch eine aktuelle Meinung zur Lage der Eurozone.

Was kann man tun, um auf ein negatives Szenario vorbereitet zu sein?

Den absoluten Schutz für jegliches Szenario gibt es nicht. Baut man nun sein Depot auf ein reines Krisen-Szenario um, wird man mit recht hoher Wahrscheinlichkeit mit dieser einseitigen Aufstellung in den nächsten Jahren auf einiges an Rendite verzichten müssen. Das andere Extrem wäre, das Risiko einer markanten Krise völlig auszublenden. Auch hier lautet das Stichwort Diversifikation. Daher möchte ich nun sechs Punkte nennen, wie man sich auf ein mögliches Krisenszenario vorbereiten kann.

1.) Die Entscheidung treffen, seine finanzielle Zukunft selbst in die Hand zu nehmen

Der erste Schritt ist, Verantwortung für sein Geld zur Chefsache zu machen. Wir können etliche Dinge delegieren, aber über die eigenen Finanzen sollten Sie persönlich die Oberaufsicht haben. In speziellen Fällen können Sie sich zwar Rat von jemanden holen, der sich gut auskennt, möglichst Ihr Anliegen selbst schon erfolgreich gemeistert hat und in Ihrem Interesse handelt, aber verlassen Sie sich nicht zu sehr auf Bank, Berater oder den Staat.

2.) Liquidität

Wer in einer Krise – gleich welcher Art – liquide ist und über ausreichend hohe Geldreserven verfügt, bleibt in jeglicher Situation flexibel und kann sehr günstige Schnäppchen einsammeln, um damit den Grundstein für finanziellen Wohlstand im anschließenden Aufwärtstrend zu legen. Liquidität sollte aber nicht nur in der Eurozone gehalten werden, sondern auch in anderen Währungsräumen. Hier bieten sich US-Dollar, Schweizer Franken, Britisches Pfund, Kanadischer Dollar, Australischer Dollar oder Singapur-Dollar an. Es müssen natürlich nicht alle Währungsräume genutzt werden, jedoch sollte das Geld auch wirklich in einer dort ansässigen Bank eingezahlt werden.
Hier kommt es weniger auf Rendite an, sondern auf Sicherheit und schnelle Verfügbarkeit.

3.) Halten Sie einen kleinen Anteil an Edelmetallen

Nehmen Sie einen kleinen Anteil an Edelmetallen in Ihr Portfolio auf, und zwar in physischer Form. Gold und Silber in Form von Münzen (z.B. eine Unze). Die Herausforderung ist hier die Aufbewahrung, hier bietet der ArtikelWie können wir Wertgegenstände sicher aufbewahren?einige Anregungen. Als Größenordnung reichen ca. 5% des gesamten Portfolios aus, mehr muss es nicht sein, vor allem wenn Sie bereits die in Punkt 2 genannte Verteilung von Liquidität auf mehrere Währungsräume beachtet haben.

4.) Kryptowährungen – dezentral und unabhängig

Auch ein kleiner Anteil von Kryptowährungen könnte sich im Krisenfall als Vorteil erweisen. Denn sie sind unabhängig von Notenbanken, gelten als weitgehend fälschungssicher und werden dezentral auf einer Vielzahl von Computern verwaltet. Typische Kryptowährungen, die im Gegensatz zu zentralisierten Notenbanken dezentral verwaltet werden, sind Bitcoin und Ether. Ich könnte mir auch vorstellen, dass im Fall einer schärferen Krise Kryptowährungen sogar regelrecht boomen. Denn besonders in Ländern mit einer hohen Inflationsrate nutzen die Menschen neben Euro und US-Dollar bereits heute vor allem Kryptowährungen.

Euro-Crash - Strategische Vermögensplanung für den Krisenfall

Gerade bei mittleren und größeren Vermögen lohnt es sich über eine breite Diversifikation nachzudenken, um selbst bei schweren Krisen einen Großteil seines Vermögens zu behalten. Bildquelle: pixabay.com

5.) Sachwerte wie Aktien und Immobilien

Sachwerte wie Aktien und Immobilien gelten ebenfalls als Schutz vor Krisen. Natürlich wird der Wert dieser Sachwerte bei einer echten Krise ebenfalls vorübergehend leiden. Allerdings können Sie diese Zeit aussitzen, da Sie mit den Punkten 2 bis 4 bereits liquide sind. Ideal wäre, wenn Sachwerte ebenfalls global gestreut werden. Bei Aktien kein größeres Problem, bei Immobilien steigen die Herausforderungen hier schon an. Allerdings kann man auch als Anleger in der Eurozone auf interessante Alternativen ausweichen. Das Beispiel von Realty Income (ISIN:US7561091049) mit Sitz in Kalifornien hatte ich vor einigen Wochen im Newsletter und als ausführliche Analyse in der Passiver Geldfluss Academy schon vorgestellt. Das Unternehmen hat eine Vielzahl von Immobilien in seinem Besitz, zahlt aktuell 5% Dividendenrendite bei monatlicher Auszahlung.

Aktien-ETF gelten als Sondervermögen und würden im Fall einer Insolvenz des ETF-Anbieters von einem anderen Geldinstitut übernommen.

6.) Anleihen auch außerhalb der Eurozone

Natürlich fühlt man sich am wohlsten in seiner heimischen Währung. Daher habe ich beim Weltportfolio – Beispiele und Entwicklung auch einen Anleihen-ETF der Eurozone ausgewählt. Bei einem negativen Szenario innerhalb der Eurokrise leiden diese Anleihen jedoch besonders. Im Artikel Alternative Zusammensetzung der Anlageklasse Anleihen hatte ich einige Vorschläge als Inspiration zusammengetragen, um diese Anlageklasse so abzudecken, dass auch hier das Risiko verteilt wird.

Natürlich beinhaltet jeder der genannten sechs Punkte ebenfalls Risiken. Allerdings ist es äußerst unwahrscheinlich, dass alle gleichzeitig eintreten und wie weiter oben gesagt, ist das Ziel möglichst gut – am besten sogar mit Gewinn – durch eine mögliche Krise zu kommen. Selbst wer zu dieser Zeit noch immer rund 90% seines Vermögens besitzt, ist sicherlich erheblich besser aufgestellt als diejenigen, die ein Großteil ihres Hab und Gut verloren haben.

Menschen, die sich nicht in zu viele finanzielle und sonstige Abhängigkeiten begeben haben, würden im starken Krisenfall wahrscheinlich die Eurozone im Zweifel zumindest temporär verlassen. Generell lohnt es sich aus meiner Sicht in jedem Fall einmal sein Leben auf zu viele Abhängigkeiten zu überprüfen. 

Wer hat zusätzliche Vorschläge, um sich auf einen möglichen Euro-Crash vorzubereiten?

  • Sie wollen grundsätzlich mehr aus Ihrem Geld machen?
  • Die Zeiten einer knappen Kasse soll bei Ihnen der Vergangenheit angehören?
  • Ihr Geld soll endlich einmal hart für Sie arbeiten?
  • Sie möchten langfristig Vermögen aufbauen?
  • Sie möchten mehr zu passivem Einkommen erfahren?
  • Sie möchten sich über den aktuellen Status der Aktienmärkte informieren?

Falls Sie mindestens eine Frage mit „Ja“ beantworten konnten, tragen Sie sich in einen der kostenlosen Newsletter von finanziell umdenken ein.

 

Zum Weiterlesen:

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4 Antworten

  1. Sanja sagt:

    Interessanterweise gabs in der Capital letzten Monat über die Deusche Bank ein Artikel mit dem gleichen Thema. Zusammengefasst sollte man sich über die Deutsche Bank gar keine sorgen machen, weil der Laden solide steht. Keine Abhängigkeit, große Bilanz (waren glaub ich mehr als 1000Mrd€), Probleme bereiten eher die Großinvestoren wie den Emiraten und Chinesen sie großen Druck bereiten.

    Ansonsten sind die Tipps eigentlich auch gut wenn es keine Krise gibt.

  2. Horace sagt:

    Hallo,

    wir setzt man Punkt 2) Liquidität in Fremdwährung um?

    1) Ein Fremdwährungskonto bei einer deutschen Bank (kostet Gebühren)
    2) Ein Tagesgeld Konto z.b. in Norwegen über den Vermittler Weltsparen?
    3) Fremdwährungsanleihen?
    4) ???

    Vielen Dank!

    Viele Grüße,
    Horace Silver

    • LarsHattwig sagt:

      Am besten ist es tatsächlich sein Geld auf eine Bank im jeweiligen Land anzulegen. Derzeit ist es in den meisten Fällen noch notwendig, in das entsprechende Land zu reisen und das Konto eröffnen. Ist dieser Schritt getan, kann man vieles von seinem Wohnort aus steuern.
      Aber eine Reise nach London, Oslo oder in die Schweiz ist ja relativ unproblematisch und könnte als Kurzurlaub genutzt werden.

      Ich denke, recht bald wird eine Kontoeröffnung und Authentifizierung ziemlich verbreitet auch Online möglich sein – so wie derzeit schon bei Kryptowährungen.

  1. 10. Juni 2018

    […] Wie kann ich mich vorbereiten, falls es doch einen Euro-Crash geben sollte? (Deutsch, finanziell-umdenken) […]

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