Warum die Börsenpsychologie vielen Anlegern Verluste einbringt

Am Kapitalmarkt werden jeden Wochentag die Preise für Aktien, Anleihen, Rohstoffe und anderen Wertpapieren neu verhandelt. Dabei hat jeder Marktteilnehmer im Detail andere Absichten, außer, dass alle an der Börse Geld verdienen wollen. Die Spannweite reicht von sehr kurzfristig orientierten Tradern bis hin zu Langzeit-Investoren, die ein sogenanntes „buy and hold“ betreiben. In jeglichen Zeithorizonten lassen sich durch mehr oder weniger Aufwand gute Profite erzielen.

Schaut man sich die Realität an, so verdient nur ein vergleichsweise kleiner Teil der agierenden Menschen längerfristig Geld, der weitaus größere Teil verliert hingegen Geld. Mögliche Gründe für mehrfache oder größere Verluste sind unter anderem zu wenig Wissen, mangelnde Bereitschaft die Verantwortung für sein Tun zu übernehmen. Vor allem aber stehen sich die meisten Marktteilnehmer selbst im Weg, weil ihnen die Psychologie einen Streich spielt. Warum das so ist, und wie hier Persönlichkeitsentwicklung helfen kann, erfährst du in diesem Artikel.

Angst und Gier sind die Antreiber

Die beiden Haupttreiber der Marktteilnehmer sind die Emotionen Angst und Gier. Angst ist hier sogar der deutlich größere Antreiber, da sowohl Trader als auch Langzeit-Investoren Angst davor verspüren, mit ihren Aktivitäten ins Minus zu geraten oder dass bereits erzielte Gewinne wieder dahinschmelzen.

Die Gier des schnellen Geldverdienens ist besonders eindrucksvoll in Übertreibungssituationen zu sehen. Der Chart eines Wertpapieres sieht dann so ähnlich aus, wie eine Fahnenstange. Bekanntere Beispiele für derartige Situationen waren die Dotcom-Blase im Jahr 2000, die Gold-Euphorie nach der Finanzkrise und die Bitcoin-Blase im Jahr 2017.

Jeder Marktteilnehmer, der von einer dieser beiden Emotionen betroffen ist, unterliegt der selektiven Wahrnehmung. Das heißt, er sucht gezielt nach Ereignissen und Meinungen, die seine Meinung vom Verlauf des Marktes bestätigen und andere Möglichkeiten werden gedanklich ausgeblendet. Dadurch geht ein Großteil der notwendigen Objektivität zur Wahrnehmung des Marktgeschehens verloren.

So kommt es, dass in Zeiten fallender Börsenkurse selbst Besitzer von Aktien-Fonds oder Aktien-ETF beginnen, ihre Sparpläne zu stoppen oder ihr eigentlich langfristig investiertes Kapital sogar abzuziehen. Derartige Investments bewegen sich – eine breite Diversifizierung über etliche Länder, Währungen und Branchen vorausgesetzt – über viele Jahre hinweg mit hoher Wahrscheinlichkeit aufwärts und Zeiten fallender Börsenkurse sind hier im Gegenteil sogar ein Grund neue Investments zu kaufen.

Bei einzelnen Aktien von Unternehmen ist der Zeithorizont sehr breit. Er reicht vom Day-Trading bis hin zum buy and hold. Ein längerfristig orientierter Investor hat als Ziel ein Portfolio aus Aktien zu erstellen, was möglichst eine gute Gesamtperformance aufweisen wird, zudem noch häufig zusätzlich über Dividendenzahlungen als passive Einkommensquelle fungiert. Die Grundlage, die zur Entscheidung zum Kauf einer Aktie führt sind entweder Fundamentaldaten des Unternehmens oder die Chart-Analyse.  Zwei der häufigsten Gründe für den Aktienkauf sind entweder ein vermeintlich günstiger Preis (z.B. Preis unter dem eigentlichen Unternehmenswert) oder ein aufsteigender Trend (Trendfolge).

Verluste werden ausgesessen, Gewinner zu früh verkauft

Entwickeln sich die ausgewählten Aktien nicht so dynamisch aufwärts wie gewünscht, steht der Anleger vor der Entscheidung, ob er die Aktien weiter halten oder verkaufen sollte. Sie oder er hat Angst aufgrund schwacher Kursentwicklung Geld zu verlieren. Oft gibt es dann für eine Verkaufsentscheidung keine festgelegten Regeln und ein Bauchgefühl (also emotionaler Grund) wird für den Verkauf bestimmend sein.

Befindet sich eine Aktie erst einmal deutlich im Minus, reagiert die Mehrheit der Anleger mit einer Abwartehaltung und der Hoffnung auf bald wieder steigende Kurse. Das schlechte Investment wird weiter im Depot gehalten, nicht selten mit weiteren Verlusten, weil das Realisieren von Verlusten viele Marktakteure aus verschiedenen Gründen nicht ertragen können.

Steigt der Kurswert einiger Aktien hingegen stark an, stellt sich ein Privatanleger recht bald die Frage, ob man die erzielten Buchgewinne nicht rasch realisieren sollte, bevor der Preis wieder sinken könnte. Nicht selten weiten sich die Gewinne solcher Aktien im weiteren Verlauf der Jahre noch deutlich weiter aus. 

Eher kurzfristige orientierte Trader haben über CFD oder andere Derivate die Möglichkeit durch Aktien oder Aktien-Indizes sowohl von steigenden als auch von fallenden Marktphasen zu partizipieren. Zwar gibt es hier mehr Möglichkeiten Geld zu verdienen, da man hier nicht nur auf steigende Kurse angewiesen ist, auf der anderen Seite ist ein Trader oft mit gehebelten Handelsinstrumenten im Markt aktiv. Ein Hebel von 10 bedeutet beispielsweise, dass man mit 100 Euro Kapitaleinsatz 1.000 Euro bewegen kann. Mit gehebelten Investmentinstrumenten können gegenläufige Marktbewegungen nicht lange untätig geschehen bleiben, da sonst schnell viel Kapital verloren geht. Was ich beim langfristigen Investieren als wenig sinnvoll erachte, nämlich das Platzieren einer Stop-Loss-Order, ist beim kürzerfristigen Handel dagegen unverzichtbar.

Wer hier kein objektives Regelwerk für seine Entscheidungen nutzt, dessen Emotionen erleben beim Trading quasi eine Achterbahnfahrt, in der verlustträchtige Fehlentscheidungen vorprogrammiert sind und im schlimmsten Fall auch ein Herzinfarkt droht.

„Warum die Psychologie vielen Anlegern am Kapitalmarkt einen Streich spielt“ als Podcast, mehr unter Lars Hattwig Podcast

Ein Marktteilnehmer spielt immer gegen sich selbst

In der Praxis setzt sich der Markt aus vielen Händlern zusammen, wobei ein Großteil aller Handelsaktivitäten mittlerweile auch automatisiert abläuft. Wegen der großen Masse an Marktteilnehmern tritt ein Privatanleger nicht gegen einen anderen Anleger, sondern gegen den Markt an. Da ein gewöhnlicher Privatanleger nicht genug Kapital besitzt, um mit seinen Aktivitäten ganze Kurse in eine Richtung zu lenken, hat der Markt grundsätzlich immer Recht.

Merksatz: Der Markt hat immer Recht.

Bereits an dieser einen Aussage scheitern die meisten Anleger, weil sie mit der Einstellung agieren, dem Kapitalmarkt die eigene Meinung aufdrängen wollen. Diese Einstellung ist etwa so einzuordnen, als ob ein einzelner Mensch die Erde dazu bringen möchte, sich nicht mehr zu drehen. Die meisten eher kürzerfristigen Marktakteure verlieren Geld, weil sie nicht versuchen einfach nur das wahrzunehmen, was der Markt ihnen zeigt, sondern sie ihre vorher festgelegte Meinung im Markt suchen.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Marktakteure das investierte Geld als Synonym für die Erfüllung persönlicher Wünsche und Träume sehen. Dieser Zusammenhang erzeugt noch mehr Emotionalität bei den Handelsaktivitäten, und die fehlende Objektivität reduziert wiederum die Sicht auf die Signale, die der Kapitalmarkt aussendet.

Merksatz: Verwende zum Traden und Investieren nur Geld, welches du nicht benötigst.

Was im Standardfall selbst beim langfristigen Investieren gilt, nämlich das Kapital nicht via Kredit zu besorgen, gilt erst Recht bei kürzerfristigen Positionen im Markt. Denn analog zum eben genannten Merksatz musst du den Kredit samt Zinsen recht bald wieder zurückzahlen, wodurch wieder eine emotionale Abhängigkeit zum investieren Kapital besteht. 

Börsenpsychologie

Um am Kapitalmarkt gute Entscheidungen zu treffen, brauchst du einen klaren Kopf. Bei Stress, eine negative Grundstimmung oder generelle Anspannung solltest du besser keine Investmententscheidungen treffen, schon gar nicht kurzfristig Traden.

Darum hilft Persönlichkeitsentwicklung am Kapitalmarkt

Im realen Leben haben wir im Privatleben oder am Arbeitsplatz fast immer die Möglichkeit die eigenen Meinungen und Überzeugung so einzusetzen, dass sich dadurch auch unser Umfeld zumindest ein Stück mitverändert. Das ist ja gerade auch ein Zeichen von starken Persönlichkeiten, wie beispielsweise erfolgreichen Unternehmern.

Am Kapitalmarkt bleibt dieses Phänomen des gewohnten Alltags aus, so als wenn wir versuchen mit einer riesigen Felswand zu boxen.

Hier hilft es ausschließlich den Markt zu beobachten, zu lernen wie man ihn deutet und bei entsprechenden Signale in den Markt einzusteigen. Wer es hier nicht schafft das eigene Ego (Recht haben zu wollen) in den Hintergrund zu rücken, wird viele Handlungen mit Verlusten einfahren, oft so viele, dass das gesamte Unterfangen nicht profitabel ist.

Erst wenn du als Anleger oder Trader folgendes verinnerlicht hast ist der erste Schritt in Richtung Erfolg an der Börse getan: Der Markt ist wie ein riesiger Strom, der kein Anfang und kein Ende hat, mit dem du jedoch bei passender Gelegenheit ein Stück in die gewünschte Richtung mit schwimmen kannst – ohne Stärke und Richtung beeinflussen zu können. Gleichzeitig hast du zu jedem beliebigen Zeitpunkt die Möglichkeit den Strom zu verlassen oder erneut hineinzutauchen oder einfach draußen zu bleiben. Der Strom des Kapitalmarktes fließt dann eben ohne dich weiter.

Um das als Anleger oder Trader in die Praxis umsetzen zu können, sind innere Ausgeglichenheit, Achtsamkeit und eine gehörige Portion Geduld notwendig. Aus diesem Grund gibt es in Büchern auch viele Warnungen davor, mit einer unausgeglichenen Gemütslage irgendwelche Positionen am Kapitalmarkt einzugehen. Ausgeglichenheit, Achtsamkeit und Geduld lassen sich durch Meditationsübungen oder Yoga erlernen. Im früheren Artikel „Vier Wege, um finanzielle und innere Unzufriedenheit loszuwerden“ erfährst, du wie du mehr innere Zufriedenheit erlangen kannst.

Der inneren Ausgeglichenheit stehen auch Geldsorgen im Weg. Wer verschuldet ist oder nicht weiß, wie er in den kommenden Monaten seine Rechnungen bezahlen kann, sollte am Kapitalmarkt besser an der Seitenlinie stehen – zumindest so lange die finanziellen Probleme nicht beseitigt worden sind.

Aber selbst beim langfristigen Investieren sind etliche, der hier bereits genannten Komponenten des Money-Mindset und der Persönlichkeitsentwicklung hilfreich, um keine kostspieligen Fehler zu begehen. Dazu empfehle ich unter anderem folgende Artikel:

Wie du deine eigene Denkweise derart ändern kannst, dass mehr Geld in dein Leben fließt, erfährst du ausführlich in der Passiver Geldfluss Academy.

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  • Dein Geld soll endlich einmal hart für dich arbeiten?
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2 Antworten

  1. Portfolioanzweifler sagt:

    Hallo Lars,

    alles, was Du schreibst, stimmt, und doch machst Du es Dir hier zu einfach. Aus meiner Sicht gibt es drei Blöcke, die verstanden sein müssen:

    Die Strategie liefert Trades mit Stop Loss und Take Profit, die bei wiederholter Anwendung Gewinn erzeugen. Darauf konzentriert sich die mediale Aufmerksamkeit und doch ist das nicht der allerwichtigste Teil. Die Strategie öffnet nur die Tür.

    Das Risikomanagement steuert das Risiko, so dass die Liquidität ausreicht, um Maximum Drawdown (maximal zu erwartende Verluste) nicht nur bedienen zu können, sondern auch beim Erreichen noch voll handelsfähig zu sein. Man muss sich klar sein: 50% Verlust bedeuten, 100% Gewinn zu brauchen, um wieder ausgeglichen zu sein. Das ist kaum zu schaffen, darf also keinesfalls passieren. Risikomanagement geht den Weg, für den die Strategie die Tür öffnete. Schlechtes Risikomanagement kann bei guter Strategie dennoch das Konto killen. Gutes RM kann es bei guter Strategie vervielfachen.

    Das Moneymanagement steuert den Einsatz der Liquidität, um sie möglichst effizient zu nutzen. Hier liegt auch noch ein Teil Gewinnpotential, der selten betrachtet wird.

    Wer ohne Strategie handelt, zockt. Wenn das Stop Loss näher als der Gewinn liegt, wird die Volatilität des Marktes es ohne besondere Wahrscheinlichkeitsverteilung früher erreichen. Wenn es ferner als der Gewinn liegt, frisst ein schlechter Trade den Gewinn vieler guter Trades auf und 10% verlieren kann man nicht mit 10% Gewinnen ausgleichen. Verlieren ist beim Zocken also mathematisch naheliegend, Psychologie hin oder her. Wer ohne Risikomanagement handelt, zockt, auch bei guter Strategie. Wieder reicht Mathematik, um zu begründen, wo die Probleme liegen. Die Schulbildung und die Medien haben den Durchschnitt in alle Köpfe gebracht: Schlecht! Kein Durchschnitt ohne Varianz, und doch reicht auch das nicht: Welche Verliererserie muss man realistisch planen und wo stellt man den Handel ein, weil man abseits real zu erwartender Parameter liegt? Die Fragen muss man beantworten können. Ein im Durchschnitt positives Konto reicht dem Broker nicht, es muss IMMER positiv sein.

    Es gibt also Einiges an Bildung zu erwerben. Erst dann kommt die Psychologie zum Zuge. Beobachten und Lernen funktioniert an der Börse anders als sonst im Leben: Oft werden falsche Aktionen belohnt und richtiges Handeln bestraft. Durch Feedback lernen funktioniert hier nicht. Der Markt hat nicht Recht, der Markt ist nur der Markt. Wer im Durchschnitt gut handelt, hat Recht. Der einzelne Trade ist unbedeutend. Es geht nur um Wahrscheinlichkeiten. Wer sich „Tipps“ rauspickt, und dabei nicht würfelt, hat eine gute Chance, die Verlierer rauszupicken, weil er intuitiv der verlierenden Masse folgt – sofern der Tippgeber überhaupt im Durchschnitt profitabel handelt und nicht sein Geld mit Tipps verdient.

    Es ist die Psychologie, die Menschen ihr Handelssystem nicht befolgen lässt. Solange die meisten Anleger aber keins haben, spielt es aber keine große Rolle. Wer das nicht glaubt, möge die Geschichte der Turtles lesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Turtle-Trader (gibt’s auch mit Interviews als Buch)

    Dieses Handelssystem ist nicht länger profitabel, aber wer es studiert, lernt die Anatomie eines Handelssystems kennen, darum ist das immer noch empfehlenswert.

    Also ja, Psychologie ist wichtig. Ausbildung ist wichtiger, und die mediale Darstellung von Trading ist komplett falsch. Vielleicht kannst Du das korrigieren. 🙂

    • LarsHattwig sagt:

      Vielen Dank für die gute Ergänzung.
      So tief in die Umsetzung von Trading-Strategien wollte ich an dieser Stelle gar nichts in die Details gehen. Aber letztendlich liegen unsere Aussagen gar nicht so weit auseinander, denn die Psychologie des Menschen ist es, die das Handelssystem nicht konsequent zur Umsetzung kommen lässt.
      Dass ein erprobtes Handelssystem vorhanden sein muss, habe ich für den Artikel einmal vorausgesetzt. Ich schaue mal, ob ich das noch stärker akzentuieren kann. 🙂

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